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Ferienlerncamps – Lernstress oder Ferienvergnügen?

Jetzt, da die Temperaturen steigen und die Sonne einen ins Freie lockt, denken viele Kinder schon sehnsüchtig an die Sommerferien und beginnen, eifrig Pläne zu schmieden: Eis essen, ans Meer fahren, ins Freibad mit den Freunden, faul in der Sonne liegen…

Für viele Kinder werden diese Wünsche aber zumindest teilweise unerfüllt bleiben, denn die Eltern haben anderes im Sinn: Ihre Kinder sollen die freie Zeit hauptsächlich dafür nutzen, um ihre Schulnoten zu verbessern, Wissenslücken zu schließen oder den Übertritt aufs Gymnasium zu schaffen. Also rechnen statt reisen und Diktate statt Urlaubskarten schreiben…

Lernen in den Ferien – für die meisten Kinder eine unbeliebte Tatsache

Für zwei Drittel der Schüler gehört das Lernen in den Sommerferien mittlerweile zum Alltag. Das zeigt sowohl eine forsa-Umfrage1 als auch eine FACT-Befragung2 im Auftrag vom Online-Magazin scoyo. 44% der Befragten gaben an, dass sie in den Ferien 1-2 Stunden pro Woche lernen und weitere 44% büffeln länger als 2 Stunden pro Woche. Nur 6% der befragten Schüler lernen gar nicht oder weniger als eine Stunde pro Ferienwoche und die übrigen 6% können keine konkrete Angabe machen.

Nicht weiter verwunderlich ist dabei die Tatsache, dass zwei Drittel der befragten Kinder sagen, dass sie in den Ferien nicht gerne lernen. Viele Eltern wissen aber keinen anderen Rat, als ihre Kinder in den Ferien zum Lernen anzutreiben – zu groß ist der Druck in der Schule und zu groß ist die Angst, dass schlechte Schulnoten dem Kind die Zukunft verbauen könnten.

Nachhilfe – Intensivkurse in den Ferien

Viele Nachhilfe-Institutionen wie z.B. „Schülerhilfe“ oder „Studienkreis“, aber auch öffentliche Träger wie Schulen haben sich diesem Trend zum Lernen in den Ferien angepasst. Sie bieten spezielle Nachhilfekurse für die Ferien an. Die Kurse werden eifrig genutzt, denn sie haben viele Vorteile zum „normalen Lernen“ in der Schule. Fernab des Schulalltags und in kleinen Gruppen können sich die Schüler und Schülerinnen ganz intensiv auf den Unterrichtsstoff konzentrieren und individuell gefördert werden – ohne von Hausaufgaben und neuen Lerninhalten abgelenkt zu werden.

Ferienlerncamps – Lernen und Urlaub in einem

Eine weitere Möglichkeit sind so genannte Ferienlerncamps, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen. Bei diesen Camps geht es um eine ausgewogene Mischung aus Lernen und Spaß – und sie überzeugen damit nicht nur die Eltern sondern auch viele Schüler.

Meistens findet vormittags in kleinen Lerngruppen der Unterricht statt und ab mittags werden viele sportliche und kreative Freizeitaktivitäten angeboten. Das Besondere an den Ferienlerncamps ist jedoch, dass sie nicht am eigenen Wohnort, sondern in beliebten Ferienregionen im In- und Ausland stattfinden.

Die Kinder werden in einer Jugendherberge, auf einem Bauernhof, auf einem Campingplatz oder auch in einem Internat untergebracht. Die verschiedenen Anbieter werben mit den unterschiedlichsten Konzepten – ob vom Lern-Fußball-Camp über Büffeln auf dem Reiterhof bis hin zu einem Kreativ-Sprach-Camp in einem alten Märchenschloss.

Für jeden Geschmack und für alle Altersstufen von der 3. bis zur 13. Klasse gibt es eine große Bandbreite an Angeboten – natürlich alles zu einem gewissen Preis. Der Markt boomt und das wissen auch die Anbieter.

Lernen ohne Leistungsdruck

Die private Bildungseinrichtung LernTeam3 bietet seit fast 20 Jahren Ferienlerncamps an – auch schon für Grundschüler. Diese können zwischen verschiedenen Konzepten wählen: „Mini-Lernteam-Kurs“ zur Vertiefung bestimmter Fächer, „Fit für den Übertritt“ zur Vorbereitung auf den Schulwechsel oder ein „Motivations-Camp“, das die Freude an der Schule und am Lernen fördern soll.

„Lernen und Freizeit im Team ermöglichen Ihrem Kind, Ferien zu machen frei vom Konkurrenz- und Leistungsdruck des Schulalltags“,

so heißt es in dem Katalog des Anbieters. Also morgens Mathe, Deutsch und Methodenlernen, nachmittags baden, Sport und Kunstworkshops und am Abend sitzen alle vergnügt zusammen am Lagerfeuer?

„Sicher, auch bei uns wird gearbeitet, und wenn es sein muss, auch schon mal ganz schön hart“,

so der Anbieter für Ferienlerncamps. Schließlich sollen am Ende des Camps auch Erfolge sichtbar sein. Die Schüler haben in kleinen Gruppen die Möglichkeit, die Lerninhalte des Schuljahres, die sie versäumt oder nicht verstanden haben, in aller Ruhe, ohne Prüfungsangst und Notendruck nachzuholen. Dabei hilft auch, dass die Trainer in den Ferienlerncamps häufig junge Lehrer, Referendare oder Studenten sind, die nicht nur den Unterricht, sondern auch das Freizeitangebot gestalten. Durch dieses enge Miteinander während der ganzen Zeit wird ein viel freundschaftlicheres, vertrauteres Verhältnis zueinander geschaffen als das zwischen Schülern und Lehrern in der Regel möglich ist.

Motivationstraining und Lerntipps

Auch der Reiseanbieter Zebra-Tours4 sieht Ferienlerncamps als „idealen Kompromiss für Eltern und Schüler“ und ist der Meinung, dass sich Spaß und Lernen sehr gut kombinieren lassen. Neben Ferienlerncamps in Italien bietet der Leipziger Reiseveranstalter auch Schülersprachreisen ins europäische Ausland an.

Die kleinen Lerngruppen sorgen dafür, dass die Pädagogen viel näher am Kind sind, kleine Erfolge direkt bemerken und die Schüler dafür loben können – das stärkt das Selbstbewusstsein und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Die Basis bilden auch hier Tipps zum richtigen Lernen und Motivationstraining – damit man auch nach Ende der Ferien nicht wieder in den alten Trott und ins Motivationsloch fällt.

Worauf Eltern bei der Wahl des Ferienlerncamps achten sollten

Nicht jedem Kind wird die Teilnahme an einem Ferienlerncamp gefallen – schließlich ist auch nicht jedes Kind Fan von Zeltlager oder Reiterhofurlaub. Und nicht jedes Camp bietet alle Leistungen an. Deshalb ist es wichtig, sich im Vorwege einige Fragen zu stellen und sich bei den verschiedenen Anbietern genau zu informieren:

  1. Ist ein Ferienlerncamp für mein Kind überhaupt sinnvoll? Traut es sich zu, alleine eine Reise anzutreten?
  2. Warum hat mein Kind Defizite in der Schule? Ist es vielleicht einfach nur urlaubsreif und braucht Erholung mehr als Nachhilfe? Oder ist es vielleicht sogar mit der Schulform überfordert?
  3. Was soll das Camp leisten? Spezielle Lerninhalte wiederholen und vertiefen, Lerntipps geben oder motivieren?
  4. Welche Freizeitangebote sind meinem Kind wichtig und welche sind altersgerecht
  5. Ist mein Kind motiviert bzw. schätzen Sie es so ein, dass es sich vor Ort für das Camp begeistern lässt?
  6. Welche Art von Unterbringung ist die richtige für mein Kind?

Lernfreie Zeit gönnen

Individuelle Förderung, kleine Lerngruppen, Spaß am Lernen – das hört sich alles sehr vielversprechend an und sicherlich sind Ferienlerncamps für viele Kinder auch eine tolle Möglichkeit, ihre schulischen Leistungen zu verbessern. Dabei darf man aber auch nicht vergessen, dass Ferien in erster Linie der Erholung dienen sollten. Kinder brauchen auch einmal eine Pause vom Lernen – und auch eine Pause vom ständigen Druck, den die Schule und auch die Eltern auf sie ausüben.

Ferien – Familienzeit

Schauen Sie sich Ihr Kind an und entscheiden Sie individuell, ob Ferienlerncamps das Richtige für Ihr Kind sind. Vielleicht gibt es ja auch die Möglichkeit, in den Ferien spielerisch und im Kreis der Familie zu lernen, z.B. indem man gemeinsam Würfelspiele spielt und ganz nebenbei rechnet oder sich beim Ausflug ins Kindermuseum die Infotafeln vorlesen lässt.

Wie Sie sich auch entscheiden: Wichtig ist, dass Sie Ihrem Kind in den Ferien auch lernfreie Wochen gönnen! Denn Erholung ist in den Ferien die wichtigste Aufgabe.

Quellen

  • 1 – Repräsentative, bundesweite forsa-Umfrage im Auftrag vom Online-Magazin scoyo im April 2014. Befragt wurden 1.015 Personen im Alter von 25 bis 59 Jahren mit schulpflichtigen Kindern im Haushalt, Quelle: scoyo.com (Stand 15.04.2016)
  • 2 – Bundesweite FACT-Online-Befragung im Auftrag vom Online-Magazin scoyo im April 2014. Befragt wurden 963 Kinder zwischen 6 und 14 Jahren, Quelle: siehe 1
  • 3Bildungseinrichtung LernTeam
  • 4Reiseanbieter Zebra-Tours



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Kirsten Düspohl

Hamburgerin, Mutter eines Kindergarten- sowie eines Grundschulkindes, Magister in Germanistik, Pädagogik und Sozialpsychologie, freiberufliche Texterin (www.elbtexterin.de) sowie Gründerin eines kleinen Kinderlabels (www.puenktchenundpompon.de).

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