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Vergesslichkeit bei Kindern

Angeblich verfügt ja jeder Mensch über ein Kurzzeitgedächtnis und ein Langzeitgedächtnis. Vergesslichkeit bei Kindern – wenn man mit Kindern zusammenlebt, fragt man sich allerdings von Zeit zu Zeit, ob sie die Fähigkeit besitzen, bei ihrem Gedächtnis die Pause-Taste zu drücken.

Erst gestern gab es so eine Situation: Wir besuchten spontan einen Schulfreund meiner Tochter und die Mutter bat uns darum, leise zu sein, weil ihr Baby gerade eingeschlafen war. Meine Tochter nickte bestätigend, um dann keine 30 Sekunden später in den Flur zu rennen und lautstark nach ihrem Freund zu rufen.

Während ich nur den Kopf schütteln konnte, erzählte mir die andere Mutter schmunzelnd, dass ihr Sohn gestern aus dem Garten ins Haus kam und beim besten Willen nicht mehr wusste, warum er a) keine Gummistiefel mehr an den Füßen hatte und b), wo genau er sie im Garten geparkt hatte. Fortgeschrittene Demenz? Tomaten auf den Ohren? Oder einfach etwas schusselig?

Kinder vergessen unwichtige Sachen

Die übervollen Fundkisten in den Schulen und Sporthallen, nicht eingehaltene Absprachen, vergessene Hausaufgabenhefte und Erinnerungslücken bei ausgemachten Terminen zeigen: Kinder sind vergesslich, und das ist – zum Leidwesen vieler Eltern – leider völlig normal.

Doch woran liegt das? Müsste so ein junges, unverbrauchtes Gedächtnis nicht noch unzählige freie Kapazitäten haben? Die Ursache liegt vor allem darin, dass Kinder noch nicht so wie wir Erwachsenen unterscheiden können, was wichtig und was unwichtig ist und welchen Wert eine Sache hat. Ihre Prioritäten liegen natürlicherweise bei anderen Dingen und können sich vor allem auch sehr schnell ändern. So sind sie, z. B. während sie ihren Schulranzen packen, in Gedanken schon bei ihren Freunden – und lassen die Federtasche dann eben auf dem Schreibtisch liegen.

Ablenkung fördert Vergesslichkeit

Ablenkung ist ein sehr wichtiger Grund für Vergesslichkeit. Multitasking ist für Kinder im Grundschulalter oftmals noch ein Fremdwort, sie müssen erst noch lernen, an mehrere Dinge gleichzeitig zu denken. Und natürlich denken sie lieber an Sachen, die ihnen Spaß bringen.

Smartphone primäre Ablenkungsquelle

Da Kinder so empfänglich für neue Reize sind, ist es sinnvoll, dafür zu sorgen, dass sie bei wichtigen Absprachen oder Tätigkeiten nicht abgelenkt werden. Das heißt zum Beispiel, dass der Fernseher oder der Computer ausgeschaltet sein sollten, wenn wichtige Themen besprochen werden. Handy und Smartphone sollten auf dem Schreibtisch nichts zu suchen haben, denn sie sind mittlerweile die primäre Ablenkungsquelle in unserem Alltag. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind erst eine Angelegenheit zu Ende bringt, bevor es sich auf etwas Neues einlässt. So kann man der Vergesslichkeit ein Stück weit vorbeugen.

Schusseligkeit durch Stress

Eine weitere Ursache für Vergesslichkeit kann Überforderung sein. Das kennt man ja selber: Wenn man in einer Woche besonders viel um die Ohren und den Kopf voll mit Terminen und zu erledigenden Aufgaben hat, dann vergisst man vor lauter Stress schon mal die ein oder andere Kleinigkeit.

Tempo aus dem Alltag nehmen

In der heutigen Zeit, in der wir unsere Kinder besonders viel fordern und fördern, kann sich schnell eine Art Freizeitstress aufbauen. Wenn man bemerkt, dass das Kind auf den vollen Terminkalender mit Anspannung oder Vergesslichkeit reagiert, kann es helfen, einfach ein wenig Tempo aus dem Alltag zu nehmen. So hat das Kind mehr Zeit für einzelne Dinge und kann sich intensiver damit beschäftigen und sich besser darauf konzentrieren.

Auch emotionaler Stress durch die Trennung der Eltern oder Mobbing in der Schule können dafür sorgen, dass die Probleme des Kindes alle anderen Gedanken verdrängen und andere Sachen unwichtig erscheinen lassen – die dadurch schnell vergessen werden oder verloren gehen.

Verantwortung übernehmen

Auch wenn es die Nerven der Eltern und auch den Geldbeutel ganz schön strapazieren kann, wenn Federtaschen, Armbanduhren und Turnbeutel ständig verloren gehen, so bringt es gar nichts, die Kinder wütend zu beschimpfen. In der Regel sind sie ja nicht mit Absicht so schusselig. Allerdings sollte man auch nicht jeden verloren gegangenen Gegenstand sofort ersetzen.

Es ist wichtig, dass die Kinder die Folgen ihrer Vergesslichkeit spüren und Verantwortung für ihre eigenen Angelegenheiten übernehmen. Das können sie, indem sie sich entweder mit auf die Suche begeben und zum Beispiel auch ins Fundbüro oder zum Hausmeister der Schule gehen müssen oder in die für sie oftmals etwas peinliche Situation kommen, ihren Lehrern oder auch Freunden gestehen zu müssen, dass sie etwas verbummelt haben. Sollten sie etwas Bestimmtes wieder und wieder aus Unachtsamkeit verlieren, so kann es auch helfen, dass sie die Neuanschaffung von ihrem Taschengeld finanzieren müssen – dadurch wissen sie den Wert einer Sache mehr zu schätzen.

Vergesslichkeit bei Kindern vorbeugen – alle Tipps auf einen Blick

  • Ablenkung und Reizüberflutung vermeiden: Fernseher, Computer und Smartphone sorgen für viel Ablenkung und sollten bei Schularbeiten und wichtigen Gesprächen ausgeschaltet bleiben
  • Verantwortung für die eigene Schusseligkeit übernehmen: Vergessenes suchen, Schusseligkeit beichten oder Verlorenes vom Taschengeld ersetzen
  • Gespräch mit dem Kind führen: Könnten Probleme und Sorgen die Ursache für Vergesslichkeit sein?
  • Unordnung vermeiden: Ein aufgeräumter Schreibtisch bzw. ein ordentliches Zimmer beugt der Vergesslichkeit vor
  • Routine entwickeln: Das Fahrrad wird immer abgeschlossen, der Schlüssel liegt immer in der obersten Schublade etc. – feste Rituale prägen sich besser ein
  • Kleidung und Schulsachen beschriften: Versehen Sie die Sachen Ihres Kindes mit einem Namensetikett – so bekommt man sie meistens zumindest zurück
  • Weniger ist mehr: Je mehr Ihr Kind dabei hat, desto mehr kann es auch vergessen – deshalb geben Sie ihm in die Schule, zum Sportverein etc. nur mit, was es auch wirklich braucht
  • To-Do-Listen: Wichtige Dinge kann man sich gut merken, indem man sie aufschreibt

Bei aller Vergesslichkeit entspannt bleiben

Mit diesen Tipps können Sie der Vergesslichkeit vorbeugen, ganz verhindern können Sie sie aber nicht, denn ein wenig Schusseligkeit ist bei Kindern völlig normal. Wenn Sie allerdings das Gefühl haben, dass die Vergesslichkeit Ihres Kindes ins Extreme geht, es besonders leicht abgelenkt ist und starke Schwierigkeiten hat, sich zu konzentrieren, sprechen Sie lieber noch einmal mit Ihrem Kinderarzt. Für alle anderen gilt: Durchhalten und Nerven bewahren! Vielleicht kommt irgendwann der Tag, an dem wir Eltern altersbedingt ein wenig vergesslich werden, und dann dürfen unsere Kinder die Augen rollen und über uns den Kopf schütteln.




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Kirsten Düspohl

Hamburgerin, Mutter eines Kindergarten- sowie eines Grundschulkindes, Magister in Germanistik, Pädagogik und Sozialpsychologie, freiberufliche Texterin (www.elbtexterin.de) sowie Gründerin eines kleinen Kinderlabels (www.puenktchenundpompon.de).

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