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Wie sich Bewegung im Unterricht auf Kinder auswirkt

Bewegung im Unterricht ist weit mehr als eine nette Auflockerung zwischendurch. Gerade in der Grundschule kann sie helfen, lange Sitzphasen zu unterbrechen, Unruhe abzubauen und Kinder wieder auf eine Lernaufgabe auszurichten. Die wissenschaftliche Forschung zeigt allerdings auch: Bewegung ist kein Wundermittel, das automatisch bessere Noten erzeugt.

Es gibt in der Forschung deutliche Hinweise darauf, dass kurze Bewegungseinheiten das Unterrichtsverhalten verbessern können – also etwa die Zeit, in der Kinder aufmerksam bei einer Aufgabe bleiben. Für Konzentration, Wohlbefinden und Lernergebnisse kommt es aber stark darauf an, wie Bewegung eingesetzt wird: kurz oder lang, spielerisch oder leistungsorientiert, mit Lernstoff verbunden oder nur als Pause.

Für Jungen und Mädchen gilt grundsätzlich dasselbe: Beide Geschlechter brauchen Bewegung und beide können davon profitieren. Unterschiede zeigen sich eher in den Ausgangsbedingungen und manchmal in der Art der Wirkung. Jungen sind im Durchschnitt körperlich aktiver und fallen in manchen Klassen häufiger durch motorische Unruhe auf. Mädchen sind in Studien teils häufiger sitzend und profitieren besonders von niedrigschwelligen, nicht wettbewerbsorientierten Bewegungsangeboten, die selbstverständlich zum Unterricht gehören. Wichtig ist: Diese Unterschiede beschreiben Durchschnittswerte – sie sagen wenig über ein einzelnes Kind aus.

Bewegung im Unterricht – welche Arten gibt es?

Wenn von Bewegung im Unterricht die Rede ist, geht es nicht nur um Sportunterricht. Gemeint sind körperliche Aktivitäten, die während der regulären Unterrichtszeit stattfinden. In der Forschung werden häufig drei Formen unterschieden:

  • Aktive Bewegungspausen: kurze Einheiten von meist wenigen Minuten, zum Beispiel Hampelmann, Lauf-ABC auf der Stelle, Dehnübungen, Koordinationsspiele oder kurze Tanzsequenzen.
  • Bewegung mit Fachbezug zum Unterricht: Kinder hüpfen zum Beispiel Rechenaufgaben, stellen Buchstaben mit dem Körper dar oder ordnen Satzteile im Raum.
  • Bewegte Unterrichtsstunden: Bewegung ist stärker in die Lernphase eingebaut, etwa durch Stationenlernen, Laufdiktate, Zahlenstrahlen auf dem Boden oder Aufgaben, bei denen Kinder im Raum Positionen einnehmen.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil die Effekte unterschiedlich sein können. Eine kurze Bewegungspause kann helfen, Kinder wieder zu aktivieren. Eine bewegte Mathematikstunde kann zusätzlich das Lernen unterstützen, wenn Bewegung und Fachinhalt sinnvoll zusammenpassen.1

Warum das Thema in der Grundschule so wichtig ist

Grundschulkinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang. Trotzdem verbringen sie einen großen Teil des Schultags sitzend: am Platz, im Stuhlkreis, beim Schreiben, Lesen, Zuhören oder Bearbeiten von Arbeitsblättern. Das ist nicht grundsätzlich falsch – Lernen braucht auch Ruhe. Problematisch wird es, wenn Sitzen zur Dauerform wird und Kinder kaum Gelegenheiten haben, körperliche Spannung abzubauen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Kindern und Jugendlichen zwischen 5 und 17 Jahren im Durchschnitt mindestens 60 Minuten körperliche Aktivität pro Tag mit mittlerer bis höherer Intensität. Repräsentative RKI-Daten aus der KiGGS-Welle 2 zeigen jedoch, dass in Deutschland nur ein Teil der Kinder und Jugendlichen diese Empfehlung erreicht; Mädchen lagen dabei niedriger als Jungen.2

Bewegung im Unterricht ersetzt weder den Sportunterricht noch Pausenhof, Schulweg, Vereinssport oder freies Spielen. Sie kann aber eine wichtige Lücke schließen: Sie bringt Bewegung genau dorthin, wo Kinder oft lange still sitzen müssen – in den Klassenraum.

Was die Forschung insgesamt zeigt

Die wissenschaftlichen Studien über Bewegungseffekte im Schulunterricht unterscheiden sich stark: Manche untersuchen fünfminütige Bewegungspausen, andere wochenlange Programme; manche messen Konzentration direkt, andere Noten, Testergebnisse oder Beobachtungen des Unterrichtsverhaltens. Deshalb wäre die Aussage „Bewegung führt zu besseren Lernergebnissen zu einfach.

Eine große Übersichtsarbeit von Watson und Kolleginnen und Kollegen wertete 39 Studien zu bewegungsbezogenen Unterrichtsinterventionen in der Primarstufe aus. Die Forscher fanden besonders Hinweise auf ein besseres Unterrichtsverhalten: Kinder waren nach bewegten Unterrichtsphasen häufiger „on task“, also bei der Sache. Für kognitive Funktionen und allgemeine Lernleistungen waren die Ergebnisse dagegen gemischter.3

Auch spätere Meta-Analysen kommen zu einem ähnlichen Bild: Bewegung im Unterricht kann helfen, aber die stärksten Effekte zeigen sich nicht automatisch in Zeugnisnoten. Sie zeigen sich eher bei Aufmerksamkeit, Beteiligung, Aktivierung und teilweise in fachlichen Leistungen, wenn Bewegung gezielt mit Lerninhalten verbunden wird.4

Konzentration: Der deutlichste Effekt liegt beim Unterrichtsverhalten

Viele Lehrkräfte kennen die Situation: Nach 20 oder 30 Minuten konzentrierter Arbeit werden Kinder unruhiger. Einige rutschen auf dem Stuhl hin und her, andere beginnen zu reden, träumen weg oder suchen Nebenbeschäftigungen. Bewegung kann hier wie ein „Reset“ wirken.

Besonders gut belegt ist der Effekt auf das sogenannte On-Task-Verhalten. Damit ist gemeint, ob Kinder mit ihrer Aufmerksamkeit bei der Unterrichtsaufgabe bleiben. In mehreren Studien verbesserten kurze Bewegungseinheiten dieses Verhalten. Eine systematische Übersichtsarbeit zu bewegten Unterrichtsphasen und Bewegungspausen fand, dass die Klassenraumbeteiligung beziehungsweise das Verhalten bei der Aufgabe in vielen untersuchten Interventionen günstiger ausfiel, vor allem nach ausreichend intensiven kurzen Einheiten.5

Das bedeutet nicht, dass jedes Kind nach jeder Bewegungspause sofort konzentrierter ist. Manche Kinder brauchen nach sehr wilden Spielen eine klare Rückkehrstruktur. Entscheidend ist daher die Dosierung: Ein kurzes, klar angeleitetes Bewegungsritual wirkt oft besser als eine chaotische Unterbrechung, nach der die Klasse erst wieder mühsam gesammelt werden muss.

Aufmerksamkeit: positiv, aber nicht in jeder Studie messbar

Bei Aufmerksamkeitstests ist die Forschung vorsichtiger. Eine Meta-Analyse zu aktiven Pausen und Aufmerksamkeit bei Schulkindern fand sowohl positive als auch nicht signifikante Effekte. Wichtig ist aber: Die Autorinnen und Autoren fanden keine Hinweise darauf, dass aktive Pausen die Aufmerksamkeit verschlechtern. Vielmehr scheint die Wirkung von Faktoren wie Dauer, Intensität, Art der Übung und Anleitung abzuhängen.6

Für die Praxis heißt das: Bewegung ist kein Ersatz für guten Unterricht, klare Aufgabenstellungen oder passende Lernmaterialien. Sie kann aber die Voraussetzungen verbessern, damit Kinder wieder aufnahmefähiger werden – besonders nach längeren Sitzphasen, vor anspruchsvollen Aufgaben oder in Übergängen zwischen Unterrichtsphasen.

Lernergebnisse: Bewegung hilft vor allem dann, wenn sie sinnvoll mit Lernen verbunden wird

Die spannendste Frage lautet: Lernen Kinder durch Bewegung besser? Die Antwort ist: manchmal – aber nicht automatisch.

Eine neuere Meta-Analyse zu körperlicher Aktivität bei Kindern im Alter von 5 bis 12 Jahren fand keinen allgemeinen, verlässlichen Vorteil für alle schulischen Leistungen. Gleichzeitig zeigte sich: Wenn Bewegung mit fachlichen Inhalten verbunden wurde, gab es Hinweise auf Vorteile, besonders im mathematischen Bereich. Das passt zu der pädagogischen Beobachtung, dass Bewegung dann besonders wertvoll sein kann, wenn sie nicht nur „Pause“ ist, sondern ein Lernprinzip: Zahlen werden gegangen, Silben geklatscht, geometrische Formen gelegt, Rechenwege im Raum dargestellt.7

Ein Beispiel: In einer Studie mit australischen Grundschulkindern verbesserten Bewegungspausen mit und ohne mathematischen Bezug das Unterrichtsverhalten; in einzelnen Lernmaßen zeigten sich Vorteile gegenüber einer rein sitzenden Kontrollgruppe. Solche Ergebnisse sind ermutigend, sollten aber nicht so verstanden werden, dass jede beliebige Bewegung automatisch jede Lernleistung steigert.8

Besonders plausibel ist ein Lerneffekt, wenn Bewegung mehrere Funktionen erfüllt: Sie aktiviert den Körper, macht abstrakte Inhalte erfahrbar und sorgt dafür, dass Kinder sich handelnd mit einem Thema auseinandersetzen. Ein Kind, das einen Zahlenstrahl wirklich abläuft, erlebt Abstände anders als ein Kind, das sie nur auf einem Arbeitsblatt sieht.

Bewegung kann Stimmung und Motivation stärken

Bewegung wirkt nicht nur auf Aufmerksamkeit und Lernen, sondern auch auf das emotionale Erleben in der Schule. Kinder, die sich bewegen dürfen, erleben Unterricht häufig weniger starr. Sie können Spannung abbauen, lachen, gemeinsam aktiv werden und danach wieder ruhiger arbeiten. Gerade in der Grundschule ist das bedeutsam, weil Lernen eng mit Beziehung, Sicherheit und positiver Stimmung verbunden ist.

Die Forschung zu Bewegung und psychischer Gesundheit in der Schule zeigt positive Effekte. Eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse fand Hinweise darauf, dass schulbezogene Bewegungsinterventionen Wohlbefinden, positive psychische Gesundheit und Resilienz fördern sowie Angst reduzieren können. Die Autorinnen und Autoren betonen allerdings, dass die Studien sehr unterschiedlich sind und die Ergebnisse daher vorsichtig interpretiert werden müssen.9

Für den Unterricht bedeutet das: Bewegung sollte nicht als „Belohnung“ für besonders schnelle Kinder eingesetzt werden. Sonst bekommen ausgerechnet diejenigen weniger Bewegung, die ohnehin mehr Unterstützung brauchen. Sinnvoller ist Bewegung als normaler Bestandteil des Unterrichtsalltags – für alle Kinder.

Jungen und Mädchen: gleiche Bedürfnisse, unterschiedliche Ausgangslagen

Bei der Unterscheidung zwischen Jungen und Mädchen ist eine differenzierte Betrachtung wichtig. Viele Studien erfassen das Geschlecht nur binär und werten Unterschiede gar nicht detailliert aus. Außerdem sind die Unterschiede innerhalb der Gruppen oft größer als zwischen den Gruppen: Es gibt sehr bewegungsfreudige Mädchen, sehr ruhige Jungen, sportliche und unsportliche Kinder in jeder Klasse.

Trotzdem zeigen Daten im Durchschnitt Unterschiede. In den RKI-Daten erreichten Jungen häufiger die Bewegungsempfehlungen als Mädchen. Auch Untersuchungen zum Bewegungsverhalten im Klassenraum zeigen, dass Mädchen teils mehr sitzende Zeit verbringen als Jungen. Das spricht nicht gegen Mädchen, sondern für Unterrichtsformen, die Bewegung für alle selbstverständlich machen – ohne dass Kinder sich dafür besonders sportlich, mutig oder wettkampforientiert fühlen müssen.10

Was Bewegung für Jungen bedeuten kann

In einigen Klassen fallen Jungen häufiger durch sichtbare motorische Unruhe auf: Sie stehen auf, wippen, rufen dazwischen oder suchen körperliche Reize. Das darf nicht vorschnell als „schlechtes Benehmen“ verstanden werden. Manchmal zeigt es schlicht: Das Kind braucht eine körperliche Entlastung, bevor es wieder aufmerksam arbeiten kann.

Eine Pilotstudie zum Programm ACTI-BREAK untersuchte kurze aktive Pausen bei Kindern der Jahrgänge 3 und 4. Das beobachtete individuelle Unterrichtsverhalten verbesserte sich insgesamt; die Effekte waren bei Jungen stärker ausgeprägt als bei Mädchen. Gleichzeitig fanden die Forschenden keine negativen Effekte auf Lesen, Mathematik oder das Klassenverhalten. Das ist wichtig, weil eine häufige Sorge lautet, Bewegung koste Lernzeit. Gut organisierte Bewegungspausen scheinen diese Sorge nicht zu bestätigen.11

Für Jungen kann Bewegung also besonders dann hilfreich sein, wenn sie überschüssige Spannung abbaut, ohne das Kind zu beschämen. Statt „Jetzt hör endlich auf zu zappeln“ lautet die pädagogisch klügere Botschaft: „Wir bewegen uns kurz, damit alle wieder besser arbeiten können.“

Was Bewegung für Mädchen bedeuten kann

Bei Mädchen zeigt sich die Herausforderung oft weniger laut. Manche Mädchen passen sich stärker an Sitz- und Ruheerwartungen an, obwohl sie ebenfalls Bewegung brauchen. Andere meiden wettbewerbsorientierte Spiele, weil sie sich beobachtet fühlen, Angst vor Fehlern haben oder Bewegung mit Bewertung verbinden. Gerade deshalb kann Bewegung im Unterricht eine Chance sein: Sie ist niedrigschwellig, findet im vertrauten Klassenverband statt und ist nicht nur für die „Sportlichen“ gedacht.

Wichtig ist, Bewegungsformen nicht geschlechtlich zu codieren. Mädchen brauchen nicht nur ruhige Dehnübungen, Jungen nicht nur kraftvolle Übungen. Gute Unterrichtsbewegung bietet Vielfalt: Koordination, Rhythmus, Balance, kurze Ausdauerimpulse, Partneraufgaben, leise Bewegungen, Denkbewegungen und kreative Körperarbeit. So können unterschiedliche Kinder Zugänge finden.

Was in der Praxis gut funktioniert

Die Forschung liefert keine Patentformel, aber sie legt einige Grundregeln nahe:

  • Kurz und regelmäßig: Zwei bis fünf Minuten reichen oft aus, um lange Sitzphasen zu unterbrechen. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit.
  • Klare Struktur: Ein Startsignal, ein Stoppsignal und feste Raumregeln verhindern Chaos.
  • Passende Intensität: Vor einer Stillarbeitsphase kann eine moderate Aktivierung sinnvoller sein als ein sehr wildes Spiel.
  • Mit Lernstoff verbinden: Besonders für Lernergebnisse ist Bewegung dann interessant, wenn sie fachlich sinnvoll eingebunden wird.
  • Keine Bloßstellung: Bewegung sollte ohne Ausscheiden, Vorführen oder öffentliche Ranglisten funktionieren.
  • Für alle Kinder zugänglich: Kinder mit körperlichen Einschränkungen, Unsicherheit oder geringer Fitness brauchen Alternativen, ohne ausgegrenzt zu werden.
  • Nicht als Strafe oder Belohnung: Bewegung sollte nicht entzogen werden, weil ein Kind unruhig war. Häufig braucht gerade dieses Kind sie besonders.

Auch die Rolle der Lehrkraft ist zentral. Studien deuten darauf hin, dass angeleitete, gut organisierte Bewegungseinheiten wirkungsvoller sind als zufällige Aktivität. Wenn Lehrkräfte Bewegung als selbstverständlichen Teil des Unterrichts verstehen, wird sie nicht zur Unterbrechung, sondern zur Methode.12

Was Schulen realistisch erwarten dürfen

BereichWas die Forschung nahelegtEinordnung für die Praxis
UnterrichtsverhaltenRelativ gut belegt: Kinder sind nach Bewegung häufiger bei der Aufgabe.Besonders hilfreich nach langen Sitzphasen oder vor anspruchsvollen Arbeitsphasen.
KonzentrationOft positive, aber nicht durchgängig messbare Effekte.Dauer, Intensität und Rückkehrstruktur sind entscheidend.
LernergebnisGemischte Evidenz; Vorteile eher, wenn Bewegung mit Lernstoff verbunden ist.Bewegtes Rechnen, Laufdiktate oder körperlich dargestellte Lerninhalte sind vielversprechender als beliebige Aktivität.
WohlbefindenHinweise auf positive Effekte, aber Studienlage heterogen.Bewegung kann Stimmung, Motivation und Klassengemeinschaft stärken, wenn sie inklusiv gestaltet wird.
Unterschiede zwischen Jungen und MädchenJungen sind im Durchschnitt aktiver; Mädchen verbringen teils mehr Zeit sitzend. Einzelne Studien finden stärkere Verhaltenseffekte bei Jungen.Bewegung sollte nicht stereotyp geplant werden, sondern vielfältig und niedrigschwellig sein.

Fazit: Kinder lernen nicht nur mit dem Kopf

Bewegung im Unterricht ist keine Modeidee, sondern eine pädagogisch und wissenschaftlich gut begründete Antwort auf einen sehr sitzenden Schulalltag. Sie kann Konzentration und Unterrichtsverhalten verbessern, Wohlbefinden fördern und unter bestimmten Bedingungen auch Lernprozesse unterstützen. Am stärksten ist die Evidenz dort, wo Bewegung Kindern hilft, wieder bei der Sache zu sein.

Für Grundschulen bedeutet das: Bewegung sollte nicht als Störung des Lernens verstanden werden, sondern als Teil guter Lernbedingungen. Kinder, die kurz aufstehen, hüpfen, balancieren, zählen, klatschen oder einen Rechenweg gehen, verlieren nicht automatisch Lernzeit. Oft gewinnen sie genau das zurück, was Lernen erst möglich macht: Aufmerksamkeit, Aktivierung und Freude am Mitmachen.

Die beste Bewegung im Unterricht ist dabei nicht spektakulär, sondern verlässlich: kurz, klar, inklusiv und sinnvoll mit dem Unterricht verbunden. Dann profitieren Jungen und Mädchen gleichermaßen – nicht, weil alle Kinder gleich sind, sondern weil alle Kinder Körper haben, die beim Lernen mitarbeiten.

Fußnoten

  1. Watson et al. unterscheiden in ihrer systematischen Übersichtsarbeit zwischen aktiven Pausen, fachbezogenen aktiven Pausen und körperlich aktiven Unterrichtsstunden. Diese Einteilung ist für die schulische Praxis besonders hilfreich, weil unterschiedliche Formen unterschiedliche Ziele erfüllen können. (link.springer.com)
  2. Die WHO empfiehlt Kindern und Jugendlichen von 5 bis 17 Jahren durchschnittlich mindestens 60 Minuten körperliche Aktivität pro Tag mit mittlerer bis höherer Intensität. RKI-Daten aus KiGGS Welle 2 zeigen, dass diese Empfehlung in Deutschland nur von einem Teil der Kinder und Jugendlichen erreicht wird; Mädchen liegen dabei niedriger als Jungen. (link.springer.com)
  3. Watson et al. werteten 39 Studien zu bewegungsbezogenen Interventionen im Grundschulalter aus. Besonders deutlich waren Hinweise auf besseres Unterrichtsverhalten beziehungsweise mehr On-Task-Verhalten; für kognitive Funktionen und allgemeine Lernleistungen waren die Ergebnisse uneinheitlicher. (link.springer.com)
  4. Eine große Meta-Analyse von Vasilopoulos et al. fand keine durchgängigen Vorteile für alle akademischen Leistungen, aber Hinweise auf spezifische Effekte, etwa bei mathematischen Leistungen, wenn körperliche Aktivität mit Unterrichtsinhalten verbunden wurde. (link.springer.com)
  5. Daly-Smith et al. untersuchten akute bewegte Unterrichtsphasen und Bewegungspausen. Viele der einbezogenen Interventionen verbesserten das Verhalten bei der Aufgabe beziehungsweise die aktive Beteiligung im Klassenraum. (bmjopensem.bmj.com)
  6. Infantes-Paniagua et al. fanden in ihrer systematischen Übersichtsarbeit und Meta-Analyse zu aktiven Pausen und Aufmerksamkeit positive sowie nicht signifikante Ergebnisse. Entscheidend waren unter anderem Dauer, Intensität und Art der Aktivität; negative Effekte auf Aufmerksamkeit wurden nicht berichtet. (mdpi.com)
  7. Die Ergebnisse von Vasilopoulos et al. sprechen dafür, dass Bewegung besonders dann fachliche Leistungen unterstützen kann, wenn sie mit dem Lerninhalt verknüpft ist, etwa im Mathematikunterricht. (link.springer.com)
  8. Mavilidi et al. untersuchten kurze Bewegungspausen im Mathematikkontext bei Grundschulkindern. Die Ergebnisse zeigten Vorteile beim On-Task-Verhalten und teilweise bei Lernmaßen gegenüber sitzendem Unterricht. (onlinelibrary.wiley.com)
  9. Andermo et al. fanden in einer systematischen Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse Hinweise darauf, dass schulbezogene Bewegungsinterventionen Wohlbefinden, positive psychische Gesundheit und Resilienz fördern sowie Angst reduzieren können. Die Autorinnen und Autoren betonen zugleich die Heterogenität der Studien. (link.springer.com)
  10. RKI-Daten zeigen im Durchschnitt höhere Aktivitätswerte bei Jungen als bei Mädchen. Hartikainen et al. fanden zudem in einer Untersuchung zu körperlicher Aktivität im Klassenraum, dass Mädchen mehr sitzende Zeit aufwiesen als Jungen. (rki.de)
  11. Die ACTI-BREAK-Pilotstudie fand Verbesserungen im individuellen Unterrichtsverhalten nach kurzen aktiven Pausen; der Effekt fiel bei Jungen stärker aus als bei Mädchen. Zugleich zeigten sich keine negativen Effekte auf Lesen, Mathematik oder Klassenverhalten. (sciencedirect.com)
  12. Die Qualität der Umsetzung spielt eine zentrale Rolle. Übersichtsarbeiten weisen darauf hin, dass Art, Anleitung, Intensität und Einbindung der Bewegung entscheidend dafür sind, ob messbare Effekte entstehen. (pmc.ncbi.nlm.nih.gov)

Quellenübersicht

  • World Health Organization: WHO Guidelines on physical activity and sedentary behaviour. Empfehlung zu körperlicher Aktivität bei Kindern und Jugendlichen. (link.springer.com)
  • Robert Koch-Institut: KiGGS Welle 2, Daten zur körperlichen Aktivität von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. (rki.de)
  • Watson, A. et al. (2017): Effect of classroom-based physical activity interventions on academic and physical activity outcomes: a systematic review and meta-analysis. International Journal of Behavioral Nutrition and Physical Activity. (link.springer.com)
  • Daly-Smith, A. J. et al. (2018): Systematic review of acute physically active learning and classroom movement breaks on children’s physical activity, cognition, academic performance and classroom behaviour. BMJ Open Sport & Exercise Medicine. (bmjopensem.bmj.com)
  • Infantes-Paniagua, Á. et al. (2021): Active School Breaks and Students’ Attention: A Systematic Review with Meta-Analysis. Brain Sciences. (mdpi.com)
  • Vasilopoulos, F. et al. (2023): The Impact of Physical Activity Interventions on Cognition and Academic Achievement in Children and Adolescents: A Multi-Level Meta-Analysis. Educational Psychology Review. (link.springer.com)
  • Mavilidi, M. F. et al. (2020): Effects of different types of classroom physical activity breaks on children’s on-task behaviour, academic achievement and cognition. Acta Paediatrica. (onlinelibrary.wiley.com)
  • Andermo, S. et al. (2020): School-related physical activity interventions and mental health among children: a systematic review and meta-analysis. Sports Medicine – Open. (link.springer.com)
  • Hartikainen, J. et al. (2022/2023): Untersuchung zu körperlicher Aktivität im Klassenraum, Lernräumen und Unterschieden zwischen Jungen und Mädchen. (link.springer.com)
  • Watson, A. et al. (2019): ACTI-BREAK: Effects of a 6-week classroom-based active break program on academic achievement, classroom behaviour and physical activity. (sciencedirect.com)
  • Sember, V. et al. (2020): Children’s Physical Activity, Academic Performance, and Cognitive Functioning: A Systematic Review and Meta-Analysis. Frontiers in Public Health. (pmc.ncbi.nlm.nih.gov)
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