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„Stille Nacht“ in aller Welt? Weihnachten in anderen Religionen

Weihnachten ist das bedeutsamste Fest im Christentum. Christen aus aller Welt feiern an den Weihnachtstagen nicht nur die Geburt Jesu, sondern auch das „Fest der Liebe“ – man trifft sich mit der Familie, feiert und isst gemeinsam und macht sich mit Geschenken gegenseitig eine Freude.

Andere Länder, andere Sitten

Doch nicht alle Christen feiern Weihnachten wie wir Deutschen unterm Tannenbaum und mit Bescherung am Heiligabend. Bei den Amerikanern und den Engländern zum Beispiel kommt „Santa Claus“ erst in den frühen Morgenstunden des 1. Weihnachtstages durch den Schornstein gerauscht und füllt die am Kamin aufgehängten Strümpfe mit Geschenken. In den skandinavischen Ländern feiert man mit Weihnachten auch das Mittwinterfest, das so genannte „Julfest“, an dem man nach dem langen Winter die wieder heller werdenden Tage begrüßt. In Spanien wird an Weihnachten ein großes Fest mit Messe, Weihnachtsliedern und Truthahnbraten gefeiert – die Geschenke gibt es allerdings erst am 6. Januar, dem Feiertag der Drei Heiligen Könige. Und in Australien finden am 1. Weihnachtstag große Partys in Parks und am Strand statt, denn dort herrscht Hochsommer. Doch auch wenn die Traditionen und Bräuche sich in den verschiedenen Ländern unterscheiden, so stehen bei allen Weihnachtsfesten auf der ganzen Welt die Erinnerung an Jesus Geburt und der christliche Gedanke der Nächstenliebe im Vordergrund. Aber wie ist das in anderen Religionen? Gibt es im Islam, Hinduismus, Judentum und Buddhismus vergleichbare, wertgleiche Festtage? Die Adventszeit ist eine gute und spannende Gelegenheit, mit seinen Kindern über die religiösen Feste anderer Konfessionen zu reden und so dazu beizutragen, dass sie offen und tolerant gegenüber anderen Religionen und Kulturen werden.

Chanukka im Judentum

Vergleichbar mit dem Weihnachtsfest ist im Judentum Chanukka (auch Hanuka oder Chanukah genannt), das Weih- bzw. Lichterfest der Juden, das ähnlich gefeiert wird wie bei uns. Man trifft sich mit der Familie und mit Freunden, isst und singt gemeinsam, zündet Kerzen an und beschenkt sich. Das achttägige Fest beginnt am 25. Tag des dritten jüdischen Kalendermonats, Kislew – nach unserem Kalender meistens im Dezember. Das Wort „Chanukka – Jüdisches Lichterfest “ bedeutet „Weihung“, denn die Juden feiern an diesem bedeutsamen Festtag die Erinnerung an die Wiedereinweihung des zweiten Tempels in Jerusalem (164 v. Chr.), nachdem die Makkabäer über den König von Syrien und somit der jüdische Glaube über den Hellenismus triumphierte.

Diwali im Hinduismus

Ein ebenso fröhliches und familienorientiertes Fest wie Weihnachten ist im Hinduismus Diwali, ein spirituelles Lichterfest. Das mehrtägige Fest wird in den hinduistisch geprägten Ländern wie zum Beispiel Indien, Sri Lanka und Nepal gefeiert und beginnt am 15. Tag des Hindumonats Kartik – nach unserem Kalender meistens Ende Oktober/Anfang November. An Diwali erinnert man sich an unterschiedliche Ereignisse, Sagen und Mythen, dessen Aussage es ist, dass das Gute über das Böse und somit das Helle über das Dunkle siegt. Dementsprechend sind Kerzen, Lichterketten und Feuerwerksraketen ein wesentliches Element des Festes.

Feiertage im Islam

Auch wenn im Koran, dem heiligen Buch der Muslime, die wundersame Geburt Jesu anerkannt und erwähnt wird, so hat Weihnachten im Islam keine Bedeutung. Muslime feiern in der Regel nur zwei große Feste: das Fest des Fastenbrechens sowie das Opferfest. Das Fest des Fastenbrechens wird am Ende des Fastenmonats Ramadam begangen. Nach einem rituellen Festgebet wird gemeinsam gefeiert und gegessen, die Kinder werden mit Süßigkeiten beschenkt, weshalb das Fest auch „Zuckerfest“ genannt wird. Das höchste islamische Fest ist das Opferfest, an dem an den Propheten Ibrahim erinnert wird, der als Beweis seines Glaubens seinen Sohn opfern wollte. Als Allah seine Bereitschaft sah, gebot er Ibrahim Einhalt. Zum Dank opferten Ibrahim und sein Sohn Gott ein Tier. Auch heute noch wird am Tag des Opferfestes Allah zu Ehren ein Tier geschlachtet, das dann unter der Familie sowie den Bedürftigen geteilt wird.

Visakha Puja im Buddhismus

Der höchste Feiertag im Buddhismus ist der Visakha Puja, an dem der Geburt, der Erleuchtung und des Todes Buddhas gedacht wird. Das Fest feiert man am Vollmondtag des 6. Mondmonats – nach unserem Kalender gewöhnlich Ende Mai/Anfang Juni. Häuser und vor allem Altare und Buddha-Figuren werden mit Blumen und Kerzen geschmückt, man betet und feiert gemeinsam und achtet darauf, sich an die fünf Sila, die Grundregeln des Buddhismus, zu halten. Allgemein lässt sich aber sagen, dass Werte wie Nächstenliebe und Freundlichkeit, die bei uns Christen vor allem zur Weihnachtszeit gepriesen werden, im Buddhismus eine tragende Rolle im Alltag spielen. Auch andere Menschen zu beschenken und ihnen eine Freude zu bereiten, ist nicht auf Feiertage festgelegt, sondern wird möglichst häufig gemacht, unter anderem, um sein Karma positiv zu beeinflussen.

Gemeinsam feiern

Jede Religion hat seine eigenen Festtage, die Art zu feiern ähnelt sich aber oftmals, denn wichtig ist bei allen Festen das soziale Miteinander. In einer globalisierten Welt, in der es ganz normal geworden ist, dass Christen, Juden, Hindus, Muslime und Buddhisten gemeinsam in einem Land leben, ist es schön, wenn man die Feiertage und Bräuche kennenlernen darf. Vielleicht hat man sogar die Möglichkeit, an dem ein oder anderen Fest teilzunehmen – eventuell gibt es Rituale, die man gerne übernehmen möchte?!





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Kirsten Düspohl

Hamburgerin, Mutter eines Kindergarten- sowie eines Grundschulkindes, Magister in Germanistik, Pädagogik und Sozialpsychologie, freiberufliche Texterin (www.elbtexterin.de) sowie Gründerin eines kleinen Kinderlabels (www.puenktchenundpompon.de).

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