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Jenaplan-Schulen – Jahrgangsübergreifendes Lernen

Familiäre Atmosphäre beherrscht das Schulkonzept von Jenaplan-Schulen. Denn das einzigartige Prinzip des jahrgangsübergreifenden Lernens ist wie, wenn ein älteres Geschwisterkind dem jüngeren beim Lernen hilft. Gesprächskreise, gemeinsames Frühstück und Mittagessen sowie regelmäßige Feiern tragen ihr übliches zur Familienatmosphäre bei.

Jenaplan-Schule – Was ist das?

  • Die Jenaplan-Pädagogik findet in den unterschiedlichsten Schulformen statt. So gibt es Jenaplan-Grundschulen, Jenaplan-Gymnasien oder auch Jenaplan-Gesamtschulen.
  • Die Schulen sind in den meisten Fällen staatlich und verlangen deshalb kein Schulgeld.
  • Die Pädagogik basiert auf den Säulen Arbeit, Gespräch, Spiel und Feier und orientiert sich an 20 Basisprinzipien, die in die Bereiche „Über den Mensch“, „Über die Gesellschaft“ und „über die Schule“ eingeteilt sind.
  • Vor allem durch das Prinzip des jahrgangsübergreifenden Lernens heben sich Jenaplan-Schulen als alternative Schulform ab.
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Wie alles begann…

Die Idee zu Jenaplan-Schulen stammte 1924 von Dr. Peter Petersen, dem damaligen Leiter der Universitätsschule Jena. Er wollte eine Schulform entwickeln, die Kinder individuell  fördert und die Gemeinschaft stärkt. Vor allem in den Niederlanden hat sich dieses Schulkonzept stark verbreitet, aber auch in Deutschland sind Jenaplan-Schulen, auch Peter-Petersen-Schulen genannt, mittlerweile um die 40 mal vertreten.

Unterrichtsform

Im Kernunterricht lernen Schüler aus drei Jahrgängen miteinander und voneinander. Ältere Schüler sollen den jüngeren Schülern den Stoff näher bringen und so selbst ihr Wissen verfestigen. Lehrer*innen nehmen hier nur eine Begleiterrolle ein, sodass die Kinder selbstständig lernen. Ein Nebeneffekt dieses jahrgangsübergreifenden Lernens ist das Erlernen von Hilfsbereitschaft, Selbstständigkeit und Zusammenarbeit. Dieser Kernunterricht findet täglich für mindestens 100 Minuten statt. An einen festen Stundenplan und feste Pausen wird sich dabei nicht gehalten, sondern fernab des 45-Minuten-Taktes kann die Pausenzeit je nach Bedarf gewählt werden. Jedes Kind hat anstelle eines Stundenplanes einen individuellen Lernplan mit Wochenzielen, den es abarbeiten soll. Neben dem Kernunterricht findet außerdem Freiarbeit und Fachunterricht statt, die auch in altershomogenen Klassen abgehandelt werden.

Arbeit, Gespräch, Spiel und Feier

Abgesehen von dieser einzigartigen Form des Unterrichts, also der Arbeit, stützt sich das Konzept von Jenaplan-Schulen außerdem auf die Säulen Gespräch, Spiel und Feier. Der Gesprächs-Charakter wird durch die gemeinsamen Mahlzeiten gefördert und tägliche Gesprächsrunden, in denen die Kinder von ihren Freuden und Ängsten erzählen sollen. So wird ein empathischer Umgang geübt und die Kinder lernen, Probleme anzusprechen.

Spiele finden auch im Schulalltag ihren Platz, damit der Spaß am Lernen nicht verloren geht. Durch Lernspiele, Gesellschaftsspiele, aber auch durch das Spielen in den Pausen, soll das kreative Denken, das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit der Kinder geschult werden. 

Ungewöhnlich für andere Schulen mag der vierte Fokus auf Feiern erscheinen, den Jenaplan-Schulen setzen. Jeden Freitag findet eine Wochenabschlussfeier statt, wo die Wochenarbeit reflektiert wird. Größere Events finden ebenfalls regelmäßig statt, wo auch die Eltern, die im Schulalltag eine Mitarbeiter-Rolle einnehmen, stark mitwirken. Durch die eigenständige Planung der Feiern erlernen die Kinder Verantwortungsbewusstsein.

Staatliche Anerkennung

Dieser Fokus auf Sozialkompetenzen bringt den Jenaplan-Schülern ein einzigartiges Bildungskonzept. Da der Lehrplan sich nach dem des jeweiligen Bundeslandes richtet, sind die meisten Jenaplan-Schulen staatlich und bieten somit auch staatliche Abschlüsse an. Die staatliche Anerkennung birgt außerdem den Vorteil mit sich, dass die Schulen meist kein Schulgeld verlangen. Durch die vielen Feste, Verpflegung und andere Leistungen sind Fördergelder aber meist gewünscht.

Das individuelle Zeugnis

Die staatlichen Abschlüsse resultieren aber auch darin, dass die Jenaplan-Schulen, die sich von Zensuren aufgrund des Leistungsdrucks eigentlich fernhalten wollen, ab der siebten Klasse eine Benotung einführen müssen. Die Zeugnisse in den vorangegangenen Schuljahren sind nur mit einer Beurteilung der individuellen Leistung versehen, die sich tiefer gehend mit den Stärken und Schwächen der Kinder befasst. Auf diese Beurteilung wird aber auch nach der siebten Klasse nicht verzichtet, sie wird dann zusätzlich zu den Noten erteilt.

Kritik an Jenaplan-Schulen

Einen Nachteil birgt das Konzept der Jenaplan-Schulen allerdings mit sich: Sie sind nicht für alle Kinder geeignet. Die besonders langsamen beziehungsweise besonders schnellen Lerner*innen sind in diesem auf Eigeninitiative beruhendem Konzept gut aufgehoben. Doch schüchterne und ruhige Kinder wären von den häufigen Gruppenarbeiten überfordert und bräuchten eher konkrete Ansagen und klare Strukturen, die ihnen an Jenaplan-Schulen fehlen.

Ansonsten lehren Jenaplan-Schulen aber neben den Inhalten des Lehrplans auch Sozialkompetenzen und andere Fähigkeiten fürs Leben. Durch die Selbstständigkeit soll eine Motivation für lebenslanges Lernen in den Kindern geweckt werden.

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