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Digitalisierung an Grundschulen – es gibt noch viel zu tun

Die Schule gilt als Vorbereitung fürs Leben. Das beginnt in der Grundschule, wo Kinder die Grundbausteine erlernen sollen und wird auf den weiterführenden Schulen immer ernster. Die Arbeitswelt, in die die Grundschulkinder von heute einsteigen werden, ist stark digitalisiert. Doch an deutschen Schulen ist die Digitalisierung noch nicht ganz angekommen.

Im internationalen Vergleich steht Deutschland ziemlich schlecht da. In der letzten PISA-Studie aus dem Jahr 2018 war Deutschland in vielen Digitalisierungsfragen auf einem der letzten Plätze im internationalen Vergleich. Beispielsweise haben in Deutschland nur 33% der Schüler*innen einen Zugang zu Online-Lernplattformen. Der weltweite Durchschnitt liegt allerdings bei 54%. In digital fortgeschrittenen Ländern wie Singapur wird sogar bis zu 90% der Schüler*innen solch ein Zugang gewährt.

Wie versucht Deutschland also aufzuholen?

Digitalpakt Schule

Eine große Maßnahme, um die Digitalisierung an deutschen Schulen ankommen zu lassen, war der 2019 in Kraft getretene Digitalpakt Schule. Der Bund stellte den Ländern damit fünf Milliarden Euro Fördergelder zur Verfügung, um eine Grundlage für technische Infrastruktur an deutschen Schulen zu gewährleisten. Umgerechnet auf die 40.000 Schulen in Deutschland würde das ungefähr 137.000€ pro Schule bedeuten. Oder, bei 11 Millionen Schüler*innen, 500€ pro Schüler*in.

Zu dieser großen Summe kamen weitere 500 Millionen Euro der Länder selbst hinzu. Das Geld muss schrittweise eingesetzt werden:

  1. Schulserver ausbauen
  2. stabile WLAN- und LAN-Verbindungen gewährleisten
  3. interaktive Hardware kaufen (bspw. Smartboards)
  4. technische Endgeräte anschaffen (bspw. Tablets für die Klasse)

Das zeigt also, dass es ein wenig dauern kann, bis die Klassenräume technisch so ausgestattet sind, wie viele es sich wünschen. Leider ist bis jetzt, wo der Pakt bereits ein Jahr besteht, erst ein Bruchteil des Geldes tatsächlich bei den Schulen angekommen.

Fortschritt in der Corona-Krise

Mit Anbruch der Corona-Krise und den staatlich angekündigten Lockdowns mussten die Schulen auf digitale Lösungen ausweichen. Dafür wurden eine weitere Million Euro zur Förderung bereitgestellt. Die Hälfte des Geldes wurde für mobile Endgeräte für das Homeschooling ausgegeben. Kinder aus ärmeren sozialen Verhältnissen hatten während des Lockdowns nämlich Schwierigkeiten am Online-Unterricht teilzunehmen, weil sie Zuhause keine eigenen technischen Endgeräte besaßen. Das eingesetzte Geld sollte hier für Chancengleichheit sorgen. Die andere Hälfte des Budgets wurde in die Administration der schulischen Computersysteme gesteckt.

Digitalisierung in anderen Ländern

Vorbildlich im Zuge der Digitalisierung an Schulen ist China. Die Schüler*innen lernen dort stark personalisiert. Anhand von Lernvideos und digitalen Aufgaben wird ihr Lernfortschritt erfasst und die Aufgaben entsprechend angepasst. Jede*r Schüler*in wird dann einem von Tausenden Tutor*innen zugeteilt, die individuell jederzeit per Videocall bei den Hausaufgaben oder anderen Schwierigkeiten helfen können.

Leider speichert dieses Programm ziemlich viele Daten über seine Nutzer*innen und wäre deshalb in Deutschland schwer denkbar. Allgemein ist Datenschutz eine der größten Herausforderungen bei der Umsetzung von digitalem Lernen. Theoretisch könnten auch Zeugnisse und andere Dokumente den Schüler*innen digital zur Verfügung gestellt werden, doch das ist datenschutzrechtlich nicht möglich.

Auch die USA sind Deutschland in der Digitalisierung von Bildung um einiges voraus. Dort gibt es zum Beispiel eine spannende digitalisierte Methode zum Lesenlernen für Grundschüler*innen: Mit dem „Accelerated Reader“ werden die zu lesenden Texte den individuellen Vorlieben und Fähigkeiten des Kindes angepasst. Mit Interesse an den zu lesenden Texten, fällt das Lernen gleich viel leichter. Ein Ergebnis einer Studie zeigte, dass die Kinder, die mit dem Accelerated Reader Lesen lernten, bessere Ergebnisse erzielten als die, die mit herkömmlichen Unterrichtsmaterialien lernten.

Möglichkeiten der Digitalisierung an Schulen

Auf dem deutschen Schulportal gibt es eine beispielhafte Infografik, wie ein digitalisierter Klassenraum der Zukunft mit dem Digitalpakt Schule aussehen könnte:

Doch technische Ausstattung wie Whiteboards bringen von alleine keine gute Bildung. Genauso ist es mit Schulheften oder -büchern. Ohne ein angepasstes Lernkonzept helfen die einem auch nicht weiter.

Deshalb müssen Schulen genau überlegen, wie sie digitale Endgeräte nutzen möchten, um den Unterricht zu verbessern und zu modernisieren. Das Geld des Digitalpaktes bekommen Schulen auch nur, wenn sie bereits ein fundiertes Konzept erarbeitet haben.

Smartboards

Smartboards werden vielerorts schon für den Unterricht eingesetzt. Lehrer*innen sollen mit einem Smartboard aber nicht genau den gleichen Unterricht weiterführen, den sie an der Tafel gezeigt haben. Sie müssen lernen, die Potenziale und Möglichkeiten eines Smartboards zu nutzen. Tafelbilder aus vergangenen Unterrichtseinheiten können an Smartboards beispielsweise gespeichert werden. So kann in den folgenden Stunden darauf zurückgegriffen werden. Außerdem sollten Lehrkräfte unbedingt die Interaktion, die das Smartboard bietet, nutzen. Kinder sind neugierig und haben Spaß, sich am Smartboard auszuprobieren. Sie rechnen eine Aufgabe viel lieber am Smartboard, als an der Tafel vor.

Das Smartboard bietet außerdem einige Funktionen, die den Anschein haben, Lehrkräfte zu ersetzen. Wenn die Kinder ein Quiz am Smartboard durchführen, heißt das aber noch lange nicht, dass Lehrer*innen zu Zuschauer*innen werden. Sie können weiterhin Nachfragen stellen wie „Seid ihr euch wirklich sicher?“, Fragen beantworten und die Auswertung des Quiz erklären.

Virtuelle und erweiterte Realität (VR und AR)

Virtual Reality Brillen werden meistens noch mit Computerspielen assoziiert. Doch auch die Bildung können sie revolutionieren. Im Geschichtsunterricht könnten Schüler*innen beispielsweise in das antike Griechenland eintauchen, um die Welt von damals nicht nur im Geschichtsbuch, sondern direkt vor ihren Augen zu erfahren. So fällt es ihnen leichter, die Lerninhalte nachzuvollziehen.

Auch mit anderen digitalen Simulationen können Lerninhalte veranschaulicht werden, die sonst nur abstrakt im Unterricht behandelt wurden. Vor allem visuelle oder haptische Lerntypen verstehen das Gelernte so viel besser.

Schulfach Medienkompetenz

Auch wenn die heutige Generation als Digital Natives die Technik schneller begreift – der richtige Umgang muss gelernt sein. Viele wünschen sich dazu ein Schulfach zu Medienkompetenz. Schüler*innen sollen nicht nur nebenbei sondern ganz aktiv lernen, wie sie in der digitalen Welt zurecht kommen können. Das beginnt in der Grundschule, wo die Kompetenzen für Kindersicherheit im Netz und die Basis von Gefahren und Potenzialen des Internets erlernt werden müssen. An weiterführenden Schulen können Kompetenzen wie das Gestalten von Apps oder Webseiten gelehrt werden. Content selbst zu produzieren würde den Schüler*innen viel Spaß bringen und einen großen Lerneffekt mit sich tragen.

Lern-Apps

Einige Eltern haben ihren Kindern Lern-Apps bereits zur Ergänzung des Schulstoffes Zuhause auf die technischen Endgeräte geladen. Doch auch den Unterricht können Lern-Apps gut ergänzen. Die Lern-App Anton beispielsweise kann Schulklassen ab der ersten Klasse in mehreren Fächern begleiten. Wenn die Schulen erst einmal mit genügend Tablets ausgestattet sind, ist dies also eine gute Möglichkeit für Abwechslung im Unterricht.

Trotz Digitalpakt ist es noch ein weiter Weg

Deutschland versucht nun aufzuholen – aber das ist gar nicht so einfach. Mit dem Digitalpakt Schule sollen erst einmal nur die Grundlagen für technische Infrastrukturen an unseren Schulen gelegt werden. Aber Digitalisierung ist ein Prozess, kein Zustand. Nach dem Aufbau der Grundlagen muss kontinuierlich daran weitergearbeitet werden, Kindern die aktuellste Bildung zu gewährleisten. Das Geld des Digitalpakt Schule wird mit den Grundlagen ausgeschöpft sein und es braucht neue Finanzierungsmodelle.

Außerdem gibt es einige Kritiker der Digitalisierung an Schulen. Manche Eltern meinen, es wäre vor allem für Grundschulkinder unangebracht, im Unterricht vor Bildschirmen zu sitzen. Doch sie haben die Potenziale der digitalen Bildung noch nicht erkannt. Natürlich müssen, vor allem bei Grundschulkindern, noch Aspekte wie die Mediennutzungszeit im Auge behalten werden. Aber als Digital Natives müssen Kinder den richtigen Umgang mit digitalen Medien frühzeitig lernen. Nur so können sie auf die digitalisierte Arbeitswelt, in die sie einsteigen werden, vorbereitet sein.

Die Vorteile des digitalen Lernens

Digitales Lernen kann Schulen also deutlich modernisieren. Digitales Lernen ermöglicht außerdem personalisiertes Lernen. So kann jede*r Schüler*in ihrem eigenen Lerntempo nachgehen und die persönliche Entwicklung wird vorangetrieben. Mit digitalen Medien kann der Unterricht anschaulicher, praxisorientierter und aktivierender gestaltet werden.

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