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Wann ist mein Kind schulreif?

Nach der Zeit im Kindergarten beginnt für Kinder der vielzitierte Ernst des Lebens: die Einschulung. Damit startet die schulische Laufbahn. Ob das Kind mit fünf, sechs oder sieben Jahren eingeschult werden soll, ist für Eltern keine leichte Entscheidung. Wann ist ein Kind also schulreif?

In diesem Artikel erhalten Eltern Tipps, woran sie erkennen können, ob ihr Kind die nötige Reife für die Einschulung erfüllt und welche Möglichkeiten bestehen, falls dem nicht so sein sollte.

Einschulung mit fünf Jahren ist in Mode

Es wird immer mehr zum Trend in Deutschland, Kinder schon mit fünf Jahren einzuschulen. In manchen anderen Ländern ist dies üblich und so versucht auch Deutschland die Regeln dementsprechend ein wenig anzupassen.

So beginnt die Förderung von Kindern immer früher. Nachteile bietet die Einschulung mit fünf Jahren aber leider auch: Ein Blick in die Zukunft zeigt, dass die Einschulung mit fünf Jahren in einem G8-Schulsystem bedeutet, dass das Kind mit 17 Jahren das Abitur abgeschlossen haben wird. In dem Alter sind viele Jugendliche noch nicht bereit für den nächsten Schritt in der Festlegung des Berufsweges. Möglichkeiten wie ein Auslandsjahr oder ein Freiwilligendienst können den jungen Schulabsolventen aber noch ein wenig Zeitraum für die Entscheidung lassen.
Außerdem haben Studien bestätigt, dass die frühere Einschulung viele Kinder im Unterricht hinterherhinken lässt. Sie erhalten seltener eine Empfehlung für das Gymnasium und bleiben häufiger sitzen. Meist holen sie aber spätestens bis zur achten Klasse mit dem Stoff wieder auf und sind auf dem Stand ihrer Mitschüler.

Wenn ein Kind also darum bettelt, mit fünf Jahren schon in die Schule zu kommen, weil zum Beispiel alle Freunde aus dem Kindergarten schon eingeschult werden, kann die Möglichkeit in Betracht gezogen werden. Auch wenn das Kind den Schuleignungstest besteht, kann es mit fünf Jahren ruhig auch schon eingeschult werden.

Kann- und Muss-Kinder

Beim Einschulungsalter muss zwischen „Kann-Kindern“ und „Muss-Kindern“ unterschieden werden. Kinder, die zum Stichtag bereits sechs Jahre alt sind, gelten als „Muss-Kind“. Wer zum jeweiligen Stichtag jünger als sechs Jahre alt ist, wird als „Kann-Kind“ eingestuft.

Eltern von Muss-Kindern werden automatisch von der nächstgelegenen Grundschule zu einem Vorstellungstermin eingeladen. Erziehungsberechtigte von Kann- bzw. Darf-Kindern hingegen müssen die Einschulung auf Wunsch aktiv vorantreiben. Hierfür reicht jedoch in der Regel ein formloser Antrag bei der jeweiligen Grundschule aus. Abhängig von Bundesland und Alter des Kindes werden zusätzlich Beurteilungen von Schulärzten, Kinderärzten oder auch Schulpsychologen gefordert, um die schulische Eignung von Kann-Kindern zu prüfen.

Bei Fragen oder Unklarheiten zum bürokratischen Ablauf ist ein Anruf beim Schulamt oder der Grundschule zu empfehlen.

Wann ist der Stichtag für die Einschulung?

Den Stichtag legen die Bundesländer individuell fest. In den meisten Fällen ist er auf den 30. Juni eines Jahres datiert. Kinder, die vor diesem Tag ihr sechstes Lebensjahr vollendet haben, müssen ab Spätsommer eingeschult werden. Kinder, die nach dem 30. Juni geboren wurden, können ab August bzw. September die Schule besuchen.

Auf welches Datum der Stichtag in Ihrem Bundesland fällt, können Sie hier nachlesen.

Ab wann ist ein Kann-Kind schulreif?

Pauschal lässt sich diese Frage schlecht beantworten, denn jedes Kind ist individuell verschieden und besitzt seine eigenen Stärken und Schwächen. Als grobe Richtlinie werden von Erziehungsexperten deshalb einige Fähigkeiten angegeben, die ein Kind beherrschen sollte, um den schulischen Anforderungen gerecht werden zu können. Hierzu zählen unter anderem:

  • körperliche Entwicklung:
    • balancieren können
    • auf einem Bein hüpfen
    • rückwärts laufen
    • einen Ball fangen und werfen
    • Das Basteln von einfachen Dingen sowie der sichere Umgang mit Klebstoff und Schere
    • sich eigenständig an- und ausziehen können
  • geistige Entwicklung: 
    • Gute Konzentration
    • Die Fähigkeit, eine Stunde lang still zu sitzen
    • Das Nacherzählen einer kleinen Geschichte
    • Das Nachmalen von Zahlen, Buchstaben und einfachen Formen
    • Bis 10 zählen
    • Die vier Grundfarben unterscheiden können
    • Fehlerfreies Sprechen
    • Namen, Adresse und Alter nennen können
  • soziale Kompetenzen und emotionale Eigenschaften:
    • kontaktfreudig sein, aber auch in der Lage, sich allein zu beschäftigen
    • Eine problemlose Trennung von den Eltern auch über einen Zeitraum von mehreren Stunden hinweg
    • Alleine zur Toilette gehen
    • Das Aushalten von Enttäuschungen und das Zurückstellen eigener Wünsche
    • zuhören und abwarten können

Die Zurückstellung von Kindern ist eher eine Ausnahme

Die Einschulung mit sieben Jahren ist ebenfalls eine Möglichkeit. Das Hauptargument hierfür lautet meist, dass Kinder länger Kind bleiben sollen, bevor der Ernst des Lebens beginnt.

Eine längere Zurückstellung ist auf Antrag auch möglich, wenn ein Kind in der geistigen oder körperlichen Entwicklung noch nicht bereit für den Schulstart ist.

Wann soll ich mein Kind also einschulen?

Natürlich muss die Situation für jedes Kind individuell bewertet werden. Auch wenn ein fünfjähriges Kind über die genannten Fähigkeiten verfügt, aber unter einem wenig ausgeprägten Selbstbewusstsein leidet, ist die Entscheidung der Eltern für oder gegen eine Einschulung oft sehr schwierig. In diesem Fall können Gespräche mit den Erzieher:innen im Kindergarten oder mit dem Kinderarzt eine wertvolle Entscheidungshilfe darstellen. Auch der Besuch eines Probeunterrichts, der von einigen Schulen angeboten wird, kann für Eltern bei dieser schwierigen Entscheidung hilfreich sein. Zudem können Eltern den Entwicklungsstand ihres Kindes recht gut einschätzen, wenn sie den Nachwuchs beim Erledigen kleiner Aufgaben oder beim Spielen sowie im Umgang mit anderen Kindern beobachten.

Nicht zu vergessen ist, dass jedes Kind sein eigenes Tempo hat. Dies betrifft nicht zuletzt auch das Erlernen schulpraktischer Fähigkeiten. Auf keinen Fall sollten Kinder aus falscher Motivation heraus unter Druck gesetzt werden, damit eine vorzeitige Einschulung um jeden Preis durchgesetzt wird.

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