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Mehlhorn-Schulen / BIP-Schulen – Begabung, Intelligenz, Persönlichkeit

Arabisch, Französisch und Englisch sprechen, Meister im Schach sein und Computer-Affinität besitzen, ein Musikinstrument beherrschen und sowohl in kreativem Schreiben als auch im Tanzen geschult sein – all dies haben Mehlhorn-Schüler*innen schon ungefähr in der dritten Klasse perfektioniert. Die Schule verfolgt die Denkweise, dass jedes Kind das Zeug zur Hochbegabung hat und dieses Potenzial nur entfaltet werden muss.

Was ist eine Mehlhorn-Schule / BIP-Schule?

  • BIP steht für Begabung, Intelligenz und Persönlichkeit und ist der Leitsatz der Pädagogik an Mehlhorn-Schulen, die deshalb auch BIP-Schulen genannt werden.
  • BIP-Schulen sind Privatschulen und setzen bei einem Schulgeld um die 300€ monatlich an.
  • Grundsätzlich ist die Mehlhorn-Pädagogik für Grundschulen angedacht gewesen, die auf den Übertritt ans Gymnasium vorbereiten sollen. Mittlerweile sind aber auch Mehlhorn-Gymnasien und -Kindergärten eingerichtet worden.
  • Mehlhorn-Schulen sind Ganztagsschulen und unterrichten von 8 bis 16 Uhr. Auch Ferienprogramme werden angeboten.
  • Mehlhorn-Schulen richten sich nach dem staatlichen Lehrplan, erweitern diesen aber um zehn Fächer, sodass Mehlhorn-Schüler sich von gleichaltrigen Schüler*innen abheben.

Die Idee zur perfektionierten Bildung

Das Professorenpaar Prof. Dr. Hans-Georg Mehlhorn und Prof. Dr. Gerlinde Mehlhorn forschte zwischen 1969 und 1975 nach einem perfektionierten Bildungskonzept. Sie untersuchten das Leben von Hochbegabten und fanden heraus, dass ihre ausschlaggebendsten Jahre meist in frühester Schulzeit lagen. Daraufhin warfen sie die Frage auf, ob nicht jedes Kind, wenn es von Anfang an in das gleiche Umfeld mit den gleichen Anregungen gesteckt wird, sein Potenzial zur Hochbegabung entfalten kann.

Orientiert an Spezialschulen mit Profilausrichtungen aus der DDR, die für besonders begabte Kinder ab der dritten Klasse ausgelegt waren, entwickelten sie das BIP-Konzept und eröffneten 1997 die erste Schule, die diese Pädagogik verfolgte. 

Leitsätze

Die Mehlhorn-Schulen richten sich nach der Kreativitätspädagogik und werden deshalb auch Kreativitätsschulen genannt. Damit sind allerdings keine kreativen Lehrmethoden und ein antiautoritärer Erziehungsstil gemeint. Hans-Georg Mehlhorn kritisierte diese Form von Lernen, die an einigen alternativen Schulformen, wie beispielsweise demokratischen Schulen geboten wird. Mehlhorn war der Meinung, dass die kindliche Neugier nicht ausreicht, damit sie sich Dinge näher bringen, die sie schlau machen. 

Stattdessen wird Kreativität durch eine Ausdehnung des Lehrplans mit kreativen Fächern gelehrt. Wichtig ist in der Mehlhorn-Pädagogik außerdem, dass die Schule in erster Linie der Wissensvermittlung und dem Erlernen sozialer Kompetenzen dient. So findet auch eine Werteerziehung statt, die den Kindern Anstand, Demokratieverständnis, Verantwortungsbewusstsein und Toleranz nahe bringen soll.

Der Weg zur Hochbegabung – Das Schulkonzept

An Mehlhorn-Schulen herrscht ein hohes Leistungsniveau. Bereits nach spätestens einem halben Jahr in der ersten Klasse können alle Schüler*innen lesen. Zur vierten Klasse sind alle Schüler dann überdurchschnittlich gute Schachspieler und sind sicher im Umgang mit Computern. Im Schulvergleich stechen Mehlhorn-Schüler*innen immer mit überdurchschnittlichen Leistungen heraus. Sowohl mathematische als auch motorische, soziale, künstlerische und kommunikative Fähigkeiten werden gleichwertig geschult. Jede Klasse wird von zwei Lehrer*innen betreut, die eine Ausbildung zu Kreativpädagogen hinter sich haben.

Durch dieses Konzept versprechen BIP-Schulen mit einer Quote von 90% Gymnasialempfehlungen allen angehenden Schüler*innen dasselbe. Auch das Versprechen des Potenzials auf Hochbegabung übt einen Leistungsdruck aus. Dennoch betonen die BIP-Schulen, dass sie keine Hochbegabtenschulen sind. Es gibt auch keine Auswahltests, die einigen Kindern diesen Bildungsweg verhindern, sondern wer sich anmelden will, darf die Schule auch besuchen. Der Mehlhorn-Ansatz geht grundsätzlich davon aus, dass jedes Kind mit der geeigneten Förderung zu überdurchschnittlichen Leistungen fähig ist. Lediglich die Schulgebühren könnten einigen Kindern den Zugang auf die Mehlhorn-Schule verwehren. 

Erweiterung des Lehrplans

Ab der ersten Klasse erlernen BIP-Schüler*innen ein Instrument und zwei Fremdsprachen, wovon eine nicht-europäisch ist. Ab der zweiten Klasse kommt dann die dritte Fremdsprache hinzu. Der staatliche Lehrplan ist um die folgenden zehn Fächer ergänzt:

  1. Digitale Medien
  2. Bildkünstlerisches Gestalten
  3. Sprachliches Gestalten
  4. Darstellendes Spiel
  5. Tanz und Bewegung
  6. Fremdsprachen I : Englisch, Arabisch 
  7. Fremdsprachen II: Chinesisch, Spanisch, Französisch
  8. Entdecken, Erfinden, Erforschen (ab der 5. Klasse)
  9. Musikalisches Gestalten
  10. Strategische Spiele / Schach

Durch diese Erweiterung des Stundenplans wird logisch-technisches Denken gefordert, Künste und Kreativität rücken mehr in den Vordergrund und Sinne werden aktiviert. Durch das Erlernen von Fremdsprachen wie Arabisch, die zusätzlich das Erlernen neuer Schriftzeichen erfordern, wird die Zusammenarbeit der Hirnhälften stimuliert. Die Auswahl auf die Fremdsprachen Arabisch und Chinesisch fiel, weil diese Sprachen in relevanten Wirtschaftsräumen gesprochen werden.

Benotung

Eine Benotung durch Zensuren findet ab der ersten Klasse in den Hauptfächern statt. Ab der dritten Klasse werden dann auch alle weiteren Fächer benotet. Diese Bewertung hat einen hohen Stellenwert an BIP-Schulen, denn bereits bei einer schlechteren Note als einer 2 müssen die Schüler*innen einem Förderplan folgen. Zensuren werden streng vergeben. Schon bei einem halben Fehler wie falscher Komma-Setzung oder einem i-Punkt ist die Note “sehr gut” nicht mehr erreichbar. Wöchentlich wird den Eltern der Lernfortschritt mitgeteilt.

Staatlich anerkannt

Mehlhorn-Schulen sind staatlich anerkannte Privatschulen. Sie bekommen zwar staatliche Zuschüsse, erheben aber dennoch ein Schulgeld von circa 300€ im Monat für die zahlreichen Zusatzleistungen wie beispielsweise die zwei Lehrkräfte pro Klasse und die Verpflegung an der Ganztagsschule.

Kritik an Mehlhorn-Schulen

Der hohe Leistungsdruck könnte viele Kinder überfordern. Wissbegierige und ausdauernde Kinder sind hier allerdings gut aufgehoben. Außerdem wird kritisiert, dass die vorzeitige Anpassung an Wirtschaftsinteressen, beispielsweise durch die Fremdsprachen, im Grundschulalter unangepasst sei. 

Hans-Georg Mehlhorn, der Gründer dieser Schulen, widerspricht diesem Vorwurf, indem er sagt: “Bei aller Leistungsanforderung sind es keine gedrillten Musterschüler, sondern hochmotivierte, glückliche und engagierte Kinder.”

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