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Kinder und Natur…Voll Old School!

Jeder kennt es, jeder mag – doch kaum einer tut es: Rausgehen, bei Wind und Wetter. Kinder und Natur tut doch so gut. An der frischen Luft spielen, draußen sein, die Natur genießen. Ist der innere Schweinehund erst einmal überwunden, macht so eine Park- oder Waldtour sogar bei Wind oder Regen Spaß – je nach Jahres- und Tageszeit riechen Wissen, Bäume und Pflanzen anders, sehen verschieden aus und bieten unterschiedlichste Geräuschkulissen. Und welcher Erwachsene kann sich nicht daran erinnern, wie erhebend das Gefühl ist, nach erfolgreicher Bezwingung des Kletterbaumes von oben herabzuschauen?

Es grünt so grün…

Freizeit und jetzt? So schön das Lesen auf dem Sofa oder auch sporteln im Fitnessstudio sein mag – zum ganzen Glück fehlt ein Stück Grün. Erwiesenermaßen wirkt eine grüne Umgebung auf Körper, Gehirn und Stimmung – und zwar durchweg positiv. Selbst das Selbstbewusstsein und das Immunsystem soll der Aufenthalt im Grünen stärken. Umgeben von Bäumen, Wiesen und Wasser sinkt unser Stress-, Angst- und Aggressionspotential – wir werden ausgeglichener. Klar, dass das umso mehr für die Kinder gilt. Zudem brauchen sie es für eine gesunde Entwicklung.

Das Gehirn ist leistungsfähiger.

Grün beruhigt. Warum? Forscher vermuten, dass uns das Grün signalisiert: Hier kann man überleben. Der Blick ins Grüne hat noch mehr zu bieten. Das Gehirn ist leistungsfähiger: Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsleistungen steigen. Die auditive Komponente, Vogelgezwitscher oder ein plätschernder Bach, wird als angenehm empfunden, weil diese Art von Schall „fakultativ“ ist, sprich, unsere Aufmerksamkeit wird nicht erzwungen. Wenn man entscheiden kann, ob man hinhören möchte oder nicht, ist das ein nicht zu unterschätzender Stressvermeider. (Die ständige Reizabwehr in unseren normalen Alltag ist nämlich einfach anstrengend – sowohl physisch als auch psychisch.)

Inzwischen werden Naturaufenthalte sogar „verschrieben“

Immer mehr Gesundheitsbereiche haben das Potential des In-der-Natur-Seins erkannt und nutzen es, um langfristig Körper und Geist gesund/ gesünder werden zu lassen, unter anderem bei Bluthochdruck, Depressionen, Burnout und Übergewicht. Draußen bewegt man sich automatisch mehr. Es fällt einem dort einfach leichter, man ist zwangloser und weniger eingeschränkt. Die Temperatur ändert sich im Freien häufiger und bringt somit auch und den Kreislauf in Schwung. Das Tageslicht, selbst bei bewölktem Himmel hilft bei trüber Stimmung ebenso wie bei Sonneneinstrahlung zur Vitamin-D Bildung.

Spielen im Tageslicht kann laut neuester Studien ggf. sogar Kurzsichtigkeit bei Kindern verhindern. Schon 40 Minuten täglich im Freien stärkt die Sehkraft. Und: Angeblich kann Natur sogar den Heilungsprozess unterstützen – die Forschung steckt hier noch in den Kinderschuhen, ist aber zuversichtlich. Es gibt also viele Gründe, öfter rauszugehen.

Natur als menschliches Grundbedürfnis

Auch der Geist verlangt nach Grün. Das Spiel draußen unterstützt die emotionale und kognitive Entwicklung von Heranwachsenden – ohne die Erfahrung, auch einmal unkontrolliert in einer nicht künstlich gefertigten Welt herumzustreifen, fehlt ihnen etwas Elementares.

Flora und Fauna stärken Empathie, Fantasie und Kreativität

Manche Experten gehen soweit, zu sagen: Ohne die Nähe zu Flora und Fauna verkümmert die Bindungsfähigkeit, haben es Empathie, Fantasie, Kreativität sehr schwer. Kinder haben, ein „Recht auf Schrammen“, meine Soziologen und plädieren für mehr Freiraum. Die Natur als Spielraum steht häufig an erster Stelle bei den Kids. Selbst zu entdecken, zu erleben, zu erforschen – das fasziniert auch heute noch. Kein Wunder – selbst in unseren Breitengraden gibt es eine faszinierende Tier- und Pflanzenwelt. Die Natur besser zu verstehen – ein genauso schöner wie wichtiger „Nebeneffekt“.

Ob es „raus ins Beet“ heißt oder Tierspurenlesen, wie man Gänseblümchenkränze bindet oder Vogelscheuchen baut, Schiffchen aus Papier und gar Pfeil und Bogen selber machen oder Juckpulver selbst herstellen – all das ist und bleibt ein Erlebnis. Jede Jahreszeit hat ihre Vorteile und draußen in der Natur eine Menge zu bieten. Also Stiefel oder Sandalen an – und raus an die frische Luft!

„Aber draußen ist es soooo langweilig“

Doch so entspannend man selbst als Erwachsener einen langen Spaziergang vielleicht findet, die Kids von Playstation, PC oder Handy wegzukriegen, ist oft gar nicht so einfach. Hier ein paar Tipps, um den guten alten „Sonntags-Spaziergang“ mal anders aufzuziehen.

  1. Ausgetretene Pfade verlassen: Gemächlich laufen, links und rechts zu schauen, den Wald mit allen Sinnen erleben. Und: Außerhalb von Naturschutzgebieten und anderen Schutzzonen darf man auch „vom Weg abkommen“ und querfeldein auf Entdeckungsreise gehen. Vielleicht findet man ein Mäuseloch, eine Spechthöhle oder gar Rehspuren?
  2. Lauschen lernen: Welche Geräusche sind im Wald zu hören? Welche Blätter kann man finden? Wie unterscheiden sich die verschiedenen Baumrinden voneinander / wie fühlen sie sich an?
  3. Mit verbundenen Augen durch den Wald führen, aufregend, lustig und „fühlbar“. Oder eben grad eine bestimmte Stelle suchen lassen, zum Beispiel den Hochsitz.
  4. Auch was für die Kleinen: Jeder sucht im Wald/ Park etwas Hartes, Weiches, Helles und Dunkles – Die Beute wird begutachtet, verglichen und die schönsten Dinge dürfen mit nach Hause genommen werden.
  5. Surviver: Beerensammeln, (aber Achtung gründlich waschen!), ein Tipi aus Zweigen bauen.
  6. Wer möchte, kann auch Waldlehrpfaden folgen / richtige Naturführungen machen.
  7. Es darf auch exotischer sein? Dann sollte man z.B. beim Querfeldein-Rollschuh ausprobieren, oder im Kletterwald (zum Beispiel im Potsdamer Bugapark) hoch hinaufsteigen.

Tipps

  • Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft – Website zum Thema Wald: Hier gibt es sogar Lernmaterialien, Poster und eine App – www.waldkulturerbe.de
  • Naturdetektive für Kinder – www.naturdetektive.de
  • TreffpunktWALD bietet Möglichkeiten, Wald und Natur einmal aus einem ganz anderen Perspektive kennen zu lernen. – www.treffpunktwald.de
  • Buchtipps:
    • „Spannendes Naturjahr – Mein Jahreszeiten-Erlebnisbuch“
    • 140 tolle Ideen für Frühling, Sommer, Herbst & Winter von Astrid Otte, Elke Schwalm und Kathleen Richter aus der Reihe Compact kids





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Barbara

Berlinerin, Wahlpotsdamerin, Mutter eines Sohnes studierte Germanistin und Kulturwissenschaftlerin, selbstständige Werbetexterin, Autorin der Papa App, mehrere Berlinromane und Fachbücher, - neugierig, kritisch, schokoladenaffin.

1 Kommentar

  1. Der Artikel trifft genau meinen Nerv. Ich finde dieses viele Stubenhockerei so negativ. Kinder brauchen Bewegung, um die kreativen Ideen ausleben zu können. Fernsehen, Spielekonsole, Smartphone sollten nicht verboten werden, aber doch bitte nur in kleinen Zeitfenstern.

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