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Frühe Einschulung – Ja oder Nein?

Eltern stellen sich heute nicht nur die Frage „Wo soll mein Kind eingeschult werden?“ sondern vor allem auch „Wann soll mein Kind eingeschult werden?“ beziehungsweise „Soll mein Kind jetzt schon eingeschult werden?“.

Einschulung mit fünf, sechs oder sieben Jahren?

Auch wenn es gesetzliche Regelungen gibt, ist es Eltern mittlerweile theoretisch freigestellt wann sie ihr Kind einschulen wollen. Es gibt in jedem Bundesland einen Stichtag, ab dem sechsjährige Kinder schulpflichtig werden. Der Regelfall ist also weiterhin eine Einschulung mit sechs Jahren.

Fünfjährige Kinder gelten nun aber als Kann-Kinder. Das bedeutet, sie können eingeschult werden, wenn die Familie es wünscht und das Kind bereits schulreif ist.

Einige Kinder werden auch erst mit sieben Jahren eingeschult. Sie werden dann als Muss-Kinder bezeichnet, weil für sie eigentlich schon eine Schulpflicht besteht. Mit einem Antrag auf Rückstellung mangels Schulreife dürfen die Kinder dann ein Jahr länger in der Kita bleiben.

Vorteile einer frühzeitigen Einschulung

Was spricht dagegen schulreife Kinder einzuschulen? Es scheint doch plausibel, dass nach einem bestandenen Test der Schulreife die Schule auch losgehen kann. Eine Einschulung mit fünf Jahren bedeutet auch einen früheren Schulabschluss: Im G8-Modell haben Schulabsolvent:innen dann schon mit 17 Jahren ihr Abitur. Das bringt ihnen beim Studienbeginn einige Vorteile.

Bei Hochbegabung ist es sogar ratsam, das Kind frühzeitig einzuschulen. Im Kindergarten würde es sich nur langweilen. Kinder, die eine Motivation zum Lernen in sich tragen, sollten diese in der Schule auch ausleben dürfen. Bei Verdacht auf Hochbegabung müssen Eltern allerdings genau aufpassen. Es gibt nämlich einen Unterschied zwischen „wissen“ und „verstehen“. Ein Kind mag vielleicht wissen, dass 5+4=9 ist, weil es das vom älteren Geschwisterkind mitbekommen hat. Es muss daraus aber auch ableiten können, dass 4+5 ebenfalls 9 ergibt, oder den Schluss ziehen können, dass deshalb 50+40=90 sind. Um dies herauszufinden, müssen Eltern ihre Kinder genau beobachten, um keine voreiligen Schlüsse zu ziehen.

Außerdem ist anzumerken, dass Kinder in einigen anderen Ländern noch früher eingeschult werden als in Deutschland. England, Dänemark oder Neuseeland beispielsweise orientieren sich immer mehr an der frühkindlichen Förderung durch spielerisches Lernen. Ein Schuleintritt ist in England zum Beispiel schon mit vier Jahren möglich.

Nachteile einer frühzeitigen Einschulung

Das Hauptargument gegen eine frühzeitige Einschulung ist, Kinder länger Kinder sein zu lassen, bevor der „Ernst des Lebens“ für sie beginnen soll.

Hinzu kommen einige Studien, die eine negative Auswirkungen der frühzeitigen Einschulung erkannten. Die LAU-Studie aus Hamburg fand heraus, dass Kann-Kinder öfter sitzen bleiben. Sie erkannten eine Überforderung bei den frühzeitig eingeschulten Kindern. Die Kann-Kinder bekommen seltener eine Gymnasialempfehlung ausgestellt. Das kann sehr am Selbstvertrauen der Kinder nagen.

Es wird zwar gesagt, dass die jüngeren Kinder der Altersstufe meist bis zur achten Klasse mindestens auf dem Stand ihrer Mitschüler:innen seien – doch die schwere Grundschulzeit und dessen Auswirkungen auf ihre Selbsteinschätzung wirkt sich langfristig auf ihr Leben aus.

Der frühere Schulabschluss mit siebzehn kann sowohl positiv als auch negativ gesehen werden: Zwar gibt es einige Bevorteilungen zum Studienstart, doch viele siebzehnjährige Abiturient:innen wissen in dem Alter noch gar nicht genau, was sie machen wollen und sind für den Arbeitsmarkt noch nicht bereit.
Allerdings bietet ihr junges Alter ihnen hier auch wieder einen Vorteil: Sie können sich guten Gewissens ein Jahr Auszeit zur Orientierung nehmen. Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr oder einigen Monaten Weltreise haben sie vielleicht zu sich selbst gefunden und einen Berufswunsch herausgearbeitet. Mit Gleichaltrigen können sie dann ein Jahr nach dem Schulabschluss in die Arbeitswelt starten, ohne hinterherzuhinken.

Fazit

Eltern müssen letztendlich selbst abwägen, ob ihr Kind fit für die Schule ist – von der Schulreife mal abgesehen. Am allerwichtigsten ist jedoch, dass Eltern ihre Kinder in den Entscheidungsprozess miteinbeziehen. Kinder, die lieber noch ein Jahr im Kindergarten bleiben möchten, sollten nicht zur Grundschule gezwungen werden. Und Kinder, die darum betteln, früher in die Schule zu dürfen, weil sie große Lernmotivation haben, sollten auch die Chance bekommen, diese auszuleben.

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3 Kommentare

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    ich finde es verkehrt Kinder schon mit 6 Jahren zur Schule zu schicken- hier gehts doch längst nicht mehr um das Wohl des Kindes, denn in dessen Interesse steht in diesem Alter das Spielen und Toben. Kinder sollen Kinder sein dürfen und zwar so lange es geht! Hier gehts darum noch ein Jahr mehr und früher seine Arbeitsbienchen heran zu züchten!
    Wenn schon ein solcher Entschluss dann hätte man sagen sollen, dass alle Kinder prinzipiell mit Sieben eingeschult werden- für Kinder die besonders fit sind oder für solches von Ihren Eltern gehalten werden (denn die Eltern sind tatsächlich diejenigen, die das am besten beurteilen können da sie tagtäglich mit Ihrem Kind zusammen sind-zumindest normalerweise) könnte ja dann ein Antrag auf eine vorgezogenen Schulteintritt gemacht werden.
    Viel schlimmer ist es doch wenn ein Kind im ersten Schuljahr zurückgestellt wird- ob das nun nicht mehr „nicht versetzt“ heisst ist hier dann auch egal, denn das Kind bleibt sitzen, das ist ein Fakt- und das im 1. Jahr- das ist doch extrem demotivierend! ich kenne einen solchen Fall und alle Leute zerreissen sich das Maul darüber, dass das Mädel sitzen bleibt und sich wohl keiner darum kümmert und ob sie vielleicht eine geistige Behinderung hat…
    ich finde das alles sehr schlimm- aber wundern dürfte es mich eigentlich nicht, was läuft in unserem Land denn noch normal? Wenn schon die Menschen dafür bezahlt werden mit Ihrem Hinter zu Hause zu sitzen und Fern zu glotzen- und fürs nix tun mehr Geld kriegen als wenn Sie arbeiten gehen würden… was soll man sich da dann noch wundern!?
    Aber das ist meine Meinung!

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      In anderen Ländern geht es noch früher los… Und wer sagt, dass unsere Kinder keine Kinder mehr sind, weil sie wenige Stunden am Tag in der Schule verbringen? Wer Zweifel hat, der setzt einfach alle Hebel in Bewegung oder sorgt für die Einschulung in eine passende Schule. Das ist doch keine Raketenwissenschaft!

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        Antwort an Lotte: Welche Länder sind das? Wie ist die Schule dort in Klasse 1 gestaltet? Erst man das weiß kann und sollte das als Vergleich heranziehen. Ich bin selber einer 5 jährigen Tochter. Für ihr Alter sprachlich, motorisch normal und gut entwickelt. Sie wird den Schultest ohne Probleme bestehen. Schulreife hat für mich aber nicht nur damit zu tun. Es geht da auch um Eigenschaften Selbstständigkeit, Ausdauer, Selbstbewusstsein. Dies deckt so ein Test nicht ab. Überspitzt formuliert: nur weil ein Kind schon seinen Namen schreiben kann ist es noch lange nicht schulreif.

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