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Legasthenie die Lese- Rechtschreibschwäche

Legasthenie die Lese- Rechtschreibschwäche
aboutpixel.de / ABC klein © Bernhard Huber
Unter Legasthenie versteht man eine Lese-/ Rechtschreibschwäche, bei der eine massive Störung des Schriftspracherwerbs vorliegt.

Ursachen hierfür können sein: eine Sprachentwicklungsverzögerung, die genetische Disposition, Schwächen in der phonologischen Bewusstheit, Wahrnehmungs- und Blickfunktionsstörungen, ungünstige sozioökonomische Verhältnisse.

Kinder mit einer Legasthenie gelten nicht als behindert, sondern leiden lediglich an einer Teilleistungsschwäche, bei der man mit individueller Förderung durchaus Strategien zum Lesen und Schreiben vermitteln kann.

Oftmals geht eine Lese-Rechtschreibschwäche einher mit dem Auftreten eines Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms (ADS/ADHS), mit Sprachentwicklungsverzögerung oder -störung, mit Wahrnehmungsstörungen sowie mit einer kombinierten Störung schulischer Fertigkeiten. Kinder mit einer vorliegenden Legasthenie können durchaus durchschnittliche bis überdurchschnittliche kognitive Fähigkeiten aufweisen und daher trotz der Schwierigkeiten neben einer gezielten Förderung schulische Erfolge vorweisen.

Innerhalb eines multiplen Störungsbildes ist es möglich, durch verschiedene genormte Testverfahren eine Legasthenie zu ermitteln. Dies können sowohl Kinder- und Jugendpsychologen/-psychiater, wie auch Mitarbeiter der jeweiligen Schulpsychologie feststellen.

Insbesondere in der Grundschule fallen diese Kinder oft frühzeitig während des Leselernprozesses auf. Eine Strategie eines Kindes mit Legasthenie besteht im Auswendiglernen von Wörtern, sogar Sätzen und Texten. Erst beim Erlesen weitgehend unbekannter Wörter oder Texte fällt unter Umständen ein Kind auf, weil es dies nicht lesen sowie den Inhalt des Gelesenen nicht wiedergeben kann.

Auch das Schreiben der auswendig gelernten Wörter erfolgt zunächst mühelos. Erst das Schreiben fremder Wörter könnte erste Hinweise auf das Vorliegen einer Legasthenie liefern. Besonders prägnant sind hierbei die Auslassungen von Vokalen, das Verdrehen von Buchstaben sowie das zumeist vollständige Fehlen einer Wortdurchgliederung. Die Struktur Laut-Silbe-Wort ist diesen Kindern weitgehend unbekannt, die Beziehung zum Lautbestand des Wortes ist noch nicht ausgebildet. Daher liegen die Chancen für einen nochmaligen Start des Leselernprozesses bei einem Kind im Grundschulalter deutlich höher, als bei einem Jugendlichen oder Erwachsenen.

Das Lesen zählt in einer zivilisierten Gesellschaft zur Grundkompetenz der Kommunikation zwischen Menschen. Viele Kinder und Eltern unterliegen mit zunehmendem Alter des Kindes einem erhöhten Leidensdruck. Vielfach belastet es betroffene Kinder schwer, nicht lesen zu können. Mit zunehmendem Alter steigt diese Verzweiflung und äußert sich anderweitig, beispielsweise mit Störungen des Unterrichts, mit Ablehnung der Schule und den Eltern gegenüber, mit Schuldistanz, mit Einnässen und dissozialer Entwicklung.

Ist eine Diagnostik erfolgt, bei der eine Legasthenie festgestellt wurde, sind Maßnahmen zu treffen. Hierfür bieten sich individuelle Lerntherapien an oder gezielter Förderunterricht mit einem Neustart des Leselernprozesses.

Bei einem Neustart des Leselernprozesses ist darauf zu achten, dass ein strukturierter Unterricht durchgeführt wird, bei dem die Laut-Silbe-Wort-Beziehung streng eingehalten wird. Einige analytische Leselernkonzepte bieten hier eine gute Auswahl an Lehr- und Lernmitteln an.

Es gibt Projekte, bei denen Kinder in Kleingruppen nochmals das Lesen erfolgreich lernen. Hilfreich ist bei manchen dieser Kinder die Zuhilfenahme von Lautgebärden, die eine zusätzliche Sicherheit bei der Laut-Buchstabenzuordnung bieten.

Ebenso gilt es, Ängste abzubauen und eine Entlastung betroffener Kinder hinsichtlich des Notendrucks zu schaffen. Weiterhin ist zu psychologischer Intervention zu raten, um eine nachhaltige Lernmotivation zu schaffen und andere Begleiterscheinungen besser bewältigen zu können.




Constanze Weber

Constanze ist Mutter von 2 Kindern. Ihr Sohn besuchte und ihre Tochter besucht eine Grundschule in Berlin. Im Jahr 2004 entdeckte Sie das Bloggen für sich und gewinnt Erfahrung in der Umsetzung vieler eigener Projekte. Neben Suchmaschinenoptimierung, PHP- und Java-Programmierung, Frontendentwicklung sowie UX, schreibt Sie eigene Texte und entwickelt neue Social-Media Strategien. Zurzeit ist Sie als UX-Designerin und Software-Entwicklerin in…

3 Kommentare

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    Sprache im heutigen Sinn gibt es seit etwa 100.000 bis 150.000 Jahren, die Schrift gibt es erst seit etwa fünf- bis sechstausend Jahren. Während sich über einen langen Zeitraum hinweg im menschlichen Hirn bestimmte Dispositionen zum Erlernen des Sprechens herausbilden konnten, war dies für das Erlernen des Schreibens und Lesens in der kurzen Zeit von nur wenigen tausend Jahren natürlich nicht möglich. Es gab auch keinen Evolutionsdruck, der auf die Entwicklung der Fähigkeiten zu lesen oder zu schreiben im Hirn hingewirkt hätte. Über die Folgen lassen wir an dieser Stelle den Neurobiologen und Psychiater Prof. Manfred Spitzer zu Wort kommen: „Unser Gehirn ist für das Lesen nicht gebaut. Es entstand lange vor der Erfindung der Schrift und aufgrund von Lebensbedingungen, die mit den heutigen wenig gemeinsam haben. Eines zeichnete diese Lebensbedingungen ganz gewiss nicht aus: Schrift auf Schritt und Tritt. Wer liest, der missbraucht also zunächst einmal seinen Wahrnehmungsapparat für eine nicht artgerechte Tätigkeit, etwa wie ein Fliesenleger seine Knie missbraucht, um in Bädern herumzukriechen oder wie ein Tennisspieler, der seinem Ellenbogen das Aufnehmen von mehr Kräften zumutet, als dieser verkraften kann. Noch einmal anders ausgedrückt: Das Gehirn verhält sich zum Lesen wie ein Traktor zum Formel -1-Rennen, für dessen Tuning man kurz vor dem Rennen zwei Stunden Zeit bekommt.“ Dass nach tausenden Stunden des Übens Menschen tatsächlich lesen können, ist für Spitzer ein wichtiger Beweis: Das menschliche Hirn „kann Tätigkeiten lernen, die ihm nicht in die Wiege gelegt sind.“ (26) Alles bezüglich des Lesens Gesagte gilt natürlich erst recht auch für das Schreiben: Beides, Lesen und Schreiben, sind eigentlich unnatürliche Handlungen. Und auch hier gilt: Mit dem Erlernen des Lesens und Schreibens benutzt der Mensch bestimmte Bereiche des Gehirns für Aufgaben, für die sie von der Natur nie vorgesehen waren.

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