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Formen der Schulangst und was Eltern dagegen tun können

„Freust du dich auf die Schule?“ Diese Frage wird in der ersten Klasse meistens noch mit einem begeisterten „Ja!“ beantwortet. Doch in den kommenden Schuljahren sinkt die Motivation immer mehr, sodass die Antwort irgendwann zu einem Augenrollen wird. Das passiert den meisten Kindern.

Allerdings wird die Abneigung zur Schule bei einigen Kindern zu einer wahrhaften Angst. Sie trauen sich nicht mehr in die Schule und versuchen ihre Eltern dazu überreden, Zuhause bleiben zu dürfen. In dem Fall müssen Eltern rechtzeitig eingreifen.

Was ist Schulangst?

Der Name sagt es schon: Bei Schulangst handelt es sich um Angst vor der Schule. Diese äußert sich meist durch Überforderung oder Unsicherheit bei den Kindern. Oft leiden sie dann unter Lernblockaden oder, je nach Form der Schulangst, unter Prüfungsangst oder sozialer Angst. Durch ihre Angst möchten die Kinder nicht mehr in die Schule gehen und drücken sich, indem sie Krankheiten vortäuschen oder durch das Mitleid der Eltern Zuhause gelassen werden.

Jungen sind von der Schulangst häufiger betroffen als Mädchen. Das liegt daran, dass Mädchen meist offener über ihre Gefühle sprechen können. So kann bei einer Schulangst schnell genug geholfen werden. Jungen versuchen meist, ihre Sorgen zu verstecken und steigern sich so weiter in die Schulangst hinein.

Schulangst ist nicht zu verwechseln mit einer Schulphobie. Bei Schulphobie haben Kinder eine starke Trennungsangst. Sie möchten nicht zur Schule gehen, weil sie sonst das Gefühl haben, dass ihren Eltern etwas passieren könnte.
Schulangst hingegen bezieht sich auf die Schule selbst. Die Kinder wollen nicht Zuhause bleiben, um bei den Eltern zu sein, sondern damit sie nicht in die Schule müssen.

Formen der Schulangst

Schulangst kann sich auf verschiedene Weisen äußern. Es ist eine Angst vor dem Versagen – meist in Hinblick auf schulischen Leistungen oder auf soziale Begebenheiten.

Schulische Leistungen

  • Prüfungsangst: Lern- und Leistungsangst
  • Schullaufbahnangst: Die Angst vor einem schlechten Zeugnis und davor, die Klasse wiederholen zu müssen
  • Strafangst: Die Angst, bei schlechten Noten bestraft zu werden

Soziale Ängste

  • Mobbing: Angst, weil das Kind in der Schule gemobbt wird oder Angst davor, dass es gemobbt werden könnte
  • Stigmatisierungsangst: Die Angst davor, sich bloßzustellen und von den Mitschüler:innen ausgelacht zu werden
  • Personenangst: Angst vor Mitschüler:innen, Lehrer:innen oder Schuldirektor:innen

Schulangst kann sich auch durch eine neurotische Angst äußern. Das bedeutet, dass die Angst vor der Angst die Kinder dazu bringt, nicht in die Schule gehen zu wollen.

Symptome von Schulangst

Schulangst ist eigentlich ein psychisches Phänomen. Oft passiert es aber, dass die seelischen Sorgen sich auf den Körper auswirken, sodass auch körperliche Beschwerden als Hinweis auf eine Schulangst dienen können. Auf diese Verhaltensauffälligkeiten, Emotionen und Krankheitserscheinungen müssen Eltern achten, wenn sie vermuten, dass ihr Kind Angst vor der Schule hat:

  • Erschöpfung und depressive Stimmung
  • Wutausbrüche, Gereiztheit und aggressive Stimmung
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Rückzug und Vermeidungsverhalten bis hin zur Schulverweigerung
  • Trödeln auf dem Schulweg
  • Appetitlosigkeit
  • Bauchschmerzen
  • Schlafprobleme und Alpträume
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • im Extremfall: Herzrasen und Schweißausbrüche

Es ist ein Zeichen von Schulangst, wenn diese Symptome in den Ferien oder am Wochenende vollkommen wegbleiben, aber unter der Schulwoche sehr stark auftreten.

Ursachen von Schulangst

Oft ist ein negatives Erlebnis der Auslöser für Schulangst. Ein Todesfall in der Familie, die Trennung der Eltern, ein Schulwechsel oder ein Umzug können Kinder stark belasten und zu Schulangst führen.

Wenn ein Kind von seinen Eltern oder Lehrer:innen stark unter Druck gesetzt wird, kann dies ebenfalls in Schulangst münden. Vor allem wenn das Kind sich sowieso schon in der Schule überfordert fühlt, wird es durch den Leistungsdruck nur ängstlicher. Überforderung tritt beispielsweise ein, wenn das Kind krankheitsbedingt länger gefehlt hat, eine (unentdeckte) Legasthenie oder Dyskalkulie hat oder in der falschen Schulform feststeckt.

Mobbing in der Grundschule führt bei den Opfern auch sehr oft zu Schulangst. In dem Fall haben sie Angst vor ihren Mitschüler:innen. Diese Angst vor den Klassenkamerad:innen kann auch entstehen, wenn dem Kind vieles peinlich ist. Es bildet sich dann ein, bei Kleinigkeiten ausgelacht werden zu können und entwickelt deshalb eine Angst vor der Schule.

„Mein Kind will nicht zur Schule“ – was Eltern tun können

Im ersten Schritt sollten Eltern versuchen zu verhindern, dass das Kind überhaupt eine Schulangst entwickelt. Falls das Kind einzelne der oben genannten Symptome zeigt, geht es darum, dass die Eltern die Schulangst rechtzeitig erkennen. Sobald eine Schulangst festgestellt wurde, geht es um die richtige Reaktion.

1. Prävention von Schulangst

Ein häufiger Grund für Schulangst ist Leistungsdruck. Eltern müssen aufpassen, dass sie diesen nicht selbst aufbauen oder verstärken. Wenn das Kind schlechte Noten nach Hause bringt, sollte es bei den Eltern auf Mitgefühl und Lösungsorientierung treffen und nicht auf Wut und Strafen. Die richtige Reaktion auf schlechte Noten ist also essenziell, damit das Kind nicht unter Leistungsdruck steht. Eltern sollten das Kind auch nicht ständig mit Klassenkamerad:innen oder Geschwisterkindern vergleichen. Das Kind fühlt sich sonst minderwertig und setzt sich stärker unter Druck.

Auch gegen die Schulangst vor sozialen Situationen können Eltern im Vorfeld etwas unternehmen. Schüchterne Kinder haben oft ein geringes Selbstvertrauen. Mit Übungen wie Rollenspielen können die Eltern dem Kind ein wenig mehr Selbstvertrauen schenken. Die Anmeldung in einem Sportverein oder einer Musikschule kann ebenfalls helfen, weil das Kind dort Erfolge feiern kann und lernt, stolz auf sich zu sein.

2. Schulangst rechtzeitig erkennen

Sobald das Kind einige der genannten Symptome vorweist, sollten Eltern ihr Kind darauf ansprechen. Es bringt nichts darauf zu warten, bis das Kind das Problem von selbst anspricht. Um die Angst frühzeitig zu bekämpfen, müssen Eltern sie rechtzeitig erkennen und dementsprechend eingreifen.

Wenn das Kind mit körperlichen Symptomen wie Bauch- oder Kopfschmerzen reagiert, ist der Weg zum Kinderarzt oder zur Kinderärztin der erste Schritt. Dort können organische Krankheiten dann ausgeschlossen werden. Der Kinderarzt oder die Kinderärztin kann auch direkt an eine:n Kinderpsycholog:in weiterleiten, wenn ein Verdacht auf Schulangst besteht.

Sollte ein Kind mit Symptomen darum bitten Zuhause zu bleiben, dürfen Eltern nicht aus Mitleid nachgeben. Natürlich tut das Kind ihnen Leid, wenn es unter Schulangst leidet. Doch wenn Eltern es Zuhause lassen, verfestigt sich die Schulangst dadurch nur noch mehr. Je länger das Kind der Schule fernbleibt, desto größer wird die Angst sein, wenn es dahin zurückkehren muss.

3. Das Kind hat Schulangst – Was können Eltern tun?

Zuerst sollten Eltern das Gespräch mit ihren Kindern suchen. Dabei sollten folgende Dinge beachtet werden:

  • Schulangst ernst nehmen und versuchen, die Ursachen herauszufinden
  • Das Problem nicht klein reden, aber auch nicht dramatisieren
  • mitfühlend und aufbauend reagieren
  • sich in das Kind hineinversetzen und mit Anekdoten aus dem eigenen Leben zeigen, dass es nicht alleine ist
  • geduldig bleiben – Schulangst verschwindet nicht von heute auf morgen

Wenn in dem Gespräch zwischen Eltern und Kind noch keine Lösung gefunden werden konnte, müssen Eltern weitere Hilfe holen. Sie können Vertrauenslehrer:innen oder Klassenlehrer:innen auf das Problem ansprechen. Auch ein Kinder- oder Jugendpsychologe kann helfen. In der Psychologie wird gegen Schulangst eine kognitive Verhaltenstherapie angewendet.

Die Eltern sollten weiterhin darauf achten, dass das Kind nicht unter Leistungsdruck steht. Schule sollte Zuhause nicht zu oft zum Thema gemacht werden. Sonst fühlt sich das Kind auch dort nicht mehr wohl. Mit Entspannungsübungen wie Kinder-Yoga oder Meditation kann Stress abgebaut werden.

Eventuell kann ein Schulwechsel die Schulangst besiegen. Vor allem bei Fällen wie Mobbing oder Angst vor Lehrkräften ist dies eine gute Lösung. Manche Kinder kommen mit dem Schulkonzept nicht zurecht, weil es sie unter Druck setzt. In dem Fall kann der Wechsel auf eine alternative Schulform in Betracht gezogen werden. Freinet-Schulen beispielsweise vergeben gar keine Noten.

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