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Schlechte Noten – So gehen Eltern am Besten damit um

Viele Schüler*innen, Eltern und auch Lehrer*innen beschweren sich mittlerweile über das Notenkonzept. Doch egal wie wenig es einem taugt, die Relevanz von Noten lässt sich nicht leugnen. Solange das Konzept der Benotung in der Gesellschaft besteht, müssen Kinder leider auch versuchen da durch zu kommen.

Wenn ein Kind mit schlechten Noten nach Hause kommt, sind die Eltern oft sehr enttäuscht. Es ist aber wichtig, dass sie die Fassung bewahren. Das Kind ist selbst enttäuscht von sich und braucht seitens der Eltern Unterstützung statt Wut oder Vorwürfen. Hier erfahren Sie, welche Ursachen die schlechten Noten Ihres Kindes haben könnten, wie Sie darauf reagieren sollten und welche Maßnahmen Sie treffen können.

Wie sollen Eltern mit schlechten Noten umgehen? Und wie nicht?

Die richtige Reaktion auf schlechte Noten

Wichtig ist im ersten Schritt die richtige Reaktion. Danach können Ursachen gesucht werden und Maßnahmen ergriffen werden, um die Noten zu verbessern.

Auch wenn die instinktive Reaktion auf schlechte Noten wohl schimpfen oder Enttäuschung sind, müssen Eltern sich zusammenreißen. Das Kind ist sowieso verletzt wegen den Noten, da sollten Eltern ihm nicht noch mehr Leid zufügen.

Eine gelassene Reaktion und Verständnis ist hier angesagt. Eltern sollten Einfühlungsbereitschaft zeigen. Sie können von ihren eigenen schlechten Noten aus der Schulzeit erzählen, damit das Kind sich verstanden fühlt.

Wenn dem Kind die schlechten Noten egal sind, müssen Eltern geduldig bleiben. Sie sollten dem Kind die Folgen schlechter Noten klar machen. Wenn es nicht versetzt wird, bedeutet das, dass es nicht mehr in derselben Klasse ist wie seine Freunde. Auch falls der Traumberuf mit schlechten Noten unerreichbar wird, sollte dem Kind das mitgeteilt werden. Das kann als Motivation dienen, sich mehr anzustrengen.

Lob soll nicht verloren gehen

Um andere Leistungen des Kindes zu wertschätzen und es für die wirklich wichtigen Dinge im Leben, wie seinen Charakter, zu loben, gibt es hier ein alternatives Zeugnis zum kostenlosen Download. So können Eltern dem Kind zeigen, worauf sie wirklich stolz sind. Selbstvertrauen ist nämlich wichtig für das Kind, damit es an sich arbeiten kann. Leistungen jeglicher Art sollten deshalb auch Lob bekommen.

Lob sollte allerdings nicht übertrieben werden und zu Übervorsorge werden. Ermutigung sollte bei dem Lob im Vordergrund stehen. Dazu zählt, dass das Kind sich trauen soll, im Unterricht Fragen zu stellen, wenn es etwas nicht versteht. Auch das kann die mündliche Note aufbessern, weil das Kind dadurch Lernbereitschaft zeigt.

So dürfen Eltern nicht reagieren

Es ist wichtig, dass Noten nicht zu einem Streitthema in der Familie werden. Das Kind sollte keine Angst vor der Reaktion der Eltern haben müssen, wenn es mit schlechten Noten nach Hause kommt. Denn Angst führt dazu, dass das Gehirn blockiert und keine Verbesserung zulässt. Stattdessen muss das Kind seitens der Eltern Unterstützung erfahren. Es soll wissen, dass es sich jederzeit mit seinen Sorgen an die Eltern wenden kann.

Schimpfen ist also die falsche Reaktion, wenn Eltern das Zeugnis ihres Kindes sehen. Vorwürfe bringen das Kind nicht weiter. Vor allem vergleichende Vorwürfe sind kontraproduktiv. „Dein großer Bruder hatte aber in der vierten Klasse einen besseren Durchschnitt“ führt bei dem Kind nur zu mehr Druck und zu Kummer.

Schlechte Noten können als Schock für die Eltern kommen. Sie müssen sich dann zusammenreißen und sich fragen, warum sie es nicht früher gemerkt haben. Oft ist hier nämlich der Fall, dass das Kind Angst vor der Reaktion Zuhause hat. Da hilft es vielleicht, wenn Eltern schon am Tag der Zeugnisvergabe versprechen, nicht zu schimpfen – und sich dann auch daran halten.

Verständnis und Trost statt Wut

Stattdessen müssen Eltern das Kind trösten. Verständnis bringt sie weiter als Vorwürfe. Beim Verständnis dürfen Eltern aber nicht ihre Ziele und Ansprüche leugnen. Das Kind muss trotzdem wissen, dass es sich in der Schule verbessern muss. Die Hoffnung, dass diese Verbesserung möglich ist, vermitteln Eltern durch das Verständnis.

Noten sind nicht alles

Eltern müssen im Hinterkopf behalten: Noten sind nicht alles, was im Leben zählt. Vor allem die Noten in der Grundschule haben wenig Einfluss auf die berufliche Laufbahn. Keine Universität fragt nach dem Zeugnis aus der dritten Klasse.
Diese Einstellung muss den Kindern übermittelt werden. Sie sollen die Schule nicht besuchen, um auf Klausuren und Noten hinzuarbeiten. Sie sollten es eher so sehen, dass sie für das Leben arbeiten. Dem Kind zu sagen, wozu es lernt, kann seine Lernmotivation wecken.

Mögliche Ursachen für schlechte Noten

Schlechte Noten wollen verbessert werden. Der erste Ansatz zur Verbesserung ist, die Ursache herauszufinden. Dazu müssen Eltern das Gespräch mit ihrem Kind suchen. Das Kind wird bestimmt versuchen, sich zu rechtfertigen. Dabei könnten Eltern die Gründe erfahren. Es kann aber auch sein, dass das Kind sich schämt und nicht erzählen möchte, woran es liegt. In dem Fall müssen Eltern sehr aufmerksam sein und so den Grund herausfinden.

Eventuelle Gründe könnten sein:

  • fehlende Lernmotivation
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Lernblockade
  • Faulheit
  • Schulangst
  • Lernschwächen wie Dyskalkulie oder Legasthenie
  • Mobbing oder Cybermobbing
  • psychische Ursachen lenken das Kind ab – Dann kann man sich an den Vertrauenslehrer wenden
  • unproduktives Klassenklima oder langweiliger Unterricht
  • schlechtes Lehrer-Schüler-Verhältnis
  • häufiger Unterrichtsausfall
  • Einschulung vor der Schulreife (in dem Fall kann in Betracht gezogen werden, eine Klasse zu wiederholen, damit das Kind im gleichen Alter wie die Mitschüler*innen ist)
  • Leistungsdruck oder Druck von außen
  • Eine insgesamt schwierige Lebensphase (beispielsweise eine Scheidung der Eltern)

Welche Maßnahmen können Eltern ergreifen?

Die Erkennung der Ursache ist der erste Schritt zur Verbesserung der Noten. Die Maßnahmen, die dann ergriffen werden, können dementsprechend angepasst werden. Das trainiert das problemlösende Vorgehen bei den Kindern.

Ziele setzen

Dafür müssen Eltern und Kind gemeinsam realistische Ziele definieren. Einerseits gibt es Etappenziele: „Drei Mal pro Stunde melden“. Andererseits können auch langfristige Ziele festgelegt werden: „Im nächsten Halbjahr soll aus der 4 eine 3 werden“. Diese Ziele können in einem Lernplan festgehalten werden. Dieser dient der Überprüfung, ob das Kind auf dem richtigen Weg ist. Kleine Ziele eignen sich meist sogar ein Bisschen besser als Motivation für den Anfang, weil diese einfacher zu erreichen sind.

Wenn solche Ziele dann erreicht wurden, sind Belohnungen eine gute Methode zum Ansporn und zur Motivation.

Nachhilfe

Sollte das Zeugnis insgesamt ganz gut aussehen, aber ein Problemfach sticht mit einer 5 besonders hervor, ist Nachhilfe eine Option. Mittlerweile gibt es Nachhilfeangebote am Computer, in Kleingruppen oder alleine. Eltern müssen sich informieren, um die beste Nachhilfe für ihr Kind zu finden. Die Nachhilfe sollte allerdings kein Dauerzustand bleiben, sondern lediglich zum Aufholen dienen. Wenn die Notenverbesserung erreicht ist, kann mit der Nachhilfe auch wieder aufgehört werden.

Kinder, denen mehrere Fächer nicht gelingen, haben vielleicht Probleme mit dem Lernen. Jedes Kind hat seine eigene Lernmethode. Es gibt visuelle, auditive, kommunikative und motorische Lerntypen. Vielleicht hat das Kind seine Methode noch nicht herausgefunden. Eltern können mit dem Kind unterschiedliche Methoden ausprobieren, bis das Wissen sitzt. So kann es auch ins Langzeitgedächtnis befördert werden, statt es nach der Klausur wieder zu vergessen.

Hausaufgaben

Ein möglicher Grund für schlechte Noten ist, wenn das Kind seine Hausaufgaben nicht regelmäßig erledigt. Wie Eltern dabei helfen können und was sie tun können, wenn das Kind die Hausaufgaben einfach nicht machen möchte, ist hier zusammengefasst. Ein Hausaufgabenheft kann beispielsweise hilfreich sein, damit das Kind nichts vergisst und damit Eltern nachhaken können. Auch Termine für Klausuren und Tests sollten nicht aus den Augen geraten.

Bei Prüfungsangst: Entspannung lehren

Manche Kinder haben im Unterricht eigentlich keine Probleme mit dem Lernstoff. Auch bei Hausaufgaben klappt alles gut. Wenn sie dann aber in die Prüfungssituation kommen, haben sie große Angst. Schlechte Noten kommen dabei raus. Viele Kinder fühlen sich dann dumm.
Um dem Kind zu zeigen, dass das nicht stimmt, können Eltern gemeinsam Entspannung lernen. Das Kind muss wissen, dass es sich die Angst abtrainieren kann. Dann gelingen ihm die Aufgaben auch und das Zeugnis wird verbessert.

Alternativen

Manchmal kann das Kind keinen Grund für die schlechte Note nennen. Auch die Eltern haben eigentlich mitbekommen, dass es sich angestrengt hat und sind verwundert. Bei einer nicht nachvollziehbaren Note kann auch auf die Lehrkraft zugegangen werden, um eine Erklärung zu fordern. Dies sollte aber noch vor der Zeugniserstellung geschehen, weil es sonst schwer ist, noch eine Änderung zu bewirken.

Die Situation eines komplett schlechten Zeugnisses ist nicht aussichtslos. Es gibt alternative Schulkonzepte, die in Betracht gezogen werden können. An Waldorf-Schulen zum Beispiel gibt es keine Noten. Viele dieser Schulen, beispielsweise die Freinet-Schulen, konzentrieren sich auch mehr auf die individuelle Förderung des Kindes. Vielleicht fühlt das Kind sich bei einem alternativen pädagogischen Konzept wohler und bekommt Spaß am Lernen.

Maßnahmen, die Eltern nicht ergreifen sollen

Strafen sind bei schlechten Noten fehl am Platz. Vor allem nach dem Schuljahreszeugnis, wo die Sommerferien zur Entspannung anstehen. Es ist sinnlos aufgrund schlechter Noten Freizeitaktivitäten des Kindes zu streichen, die ihm Spaß machen. Bei seinen Hobbys kann es Erfolge feiern, die ihm im Schulalltag fehlen. Das ist wichtig für das Selbstwertgefühl.

Eltern sollten die Verantwortung für die schlechte Note auch nicht komplett auf den*die Lehrer*in schieben. Stattdessen müssen sie gemeinsam mit dem Kind die Ursachen herausfinden und nach Lösungen suchen.

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